Von Blühstreifen bis Schattenbäumen: Lebensmittelhersteller zeigen, wie Biodiversität in der Praxis funktioniert

Gesunde Böden, sauberes Wasser und Artenvielfalt sind die Grundlage jeder Lebensmittelproduktion. Zum Internationalen Tag der Biodiversität 2026 wird deutlich: Viele Lebensmittelhersteller investieren heute so umfassend wie nie zuvor in den Schutz natürlicher Ressourcen. Fünf Unternehmen zeigen, wie das in der Praxis aussieht.

Artenreiche Blumenwiese mit Wildblumen im Vordergrund und Bäumen im HintergrundQuelle: julien heuret / Adobe Stock

Wer Lebensmittel herstellt, braucht intakte Natur. Kakao wächst am besten im Schatten von Bäumen, Milch entsteht auf gesunden Weiden, Kaffee gedeiht in vielfältigen Anbausystemen. Die großen Hersteller investieren heute so konkret wie nie zuvor darin, diese Grundlagen zu erhalten und zu stärken.

Regenerative Landwirtschaft, entwaldungsfreie Rohstoffe, direkte Partnerschaften mit Landwirten: In den letzten Jahren sind aus Absichtserklärungen konkrete Programme geworden, aus Zielen messbare Ergebnisse.

Das diesjährige Motto des Internationalen Tags der Biodiversität lautet „Acting locally for global impact.“ Für viele Unternehmen der Ernährungsindustrie ist das längst gelebte Praxis. Ein Blick auf fünf große Hersteller zeigt, was dahintersteckt.

Danone: Gesunde Böden sind die Grundlage jeder Milchproduktion

Ein gesunder Boden kann Wasser besser speichern, Erosion reduzieren und landwirtschaftliche Flächen widerstandsfähiger gegen Trockenperioden machen. Genau dort setzt Danone an. Denn Milch entsteht nicht nur im Stall, sondern beginnt auf Wiesen und Feldern, die Futterpflanzen hervorbringen.

Gemeinsam mit dem WWF Frankreich hat das Unternehmen Instrumente entwickelt, die Landwirten helfen, Bodenqualität, Artenvielfalt und Wassermanagement systematisch zu verbessern.

Nach Unternehmensangaben stammten 2025 bereits 42 Prozent der wichtigsten landwirtschaftlichen Rohstoffe von Danone aus Betrieben, die regenerative Anbaumethoden umsetzen oder sich in der Umstellung befinden. Das ursprünglich für 2025 gesetzte Ziel von 30 Prozent wurde damit deutlich übertroffen.

Zudem werden inzwischen 91 Prozent der direkten Milchliefermenge auf Betriebsebene erfasst und begleitet. Das Beispiel zeigt, wie eng Biodiversität, Bodengesundheit und die Zukunftsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe miteinander verbunden sind.

Landwirt hockt mit Tablet in einem Maisfeld und dokumentiert den PflanzenwuchsQuelle: TO LOVE / Adobe Stock

Mars: 100 Prozent verantwortungsvoller Kakao

Ob Schokolade auch künftig nachhaltig produziert werden kann, entscheidet sich tausende Kilometer von Deutschland entfernt. In den Kakaoanbaugebieten Westafrikas stehen Waldschutz, Artenvielfalt und landwirtschaftliche Produktivität in engem Zusammenhang. Kakao ist einer jener Rohstoffe, bei denen sich die Zukunft der Biodiversität unmittelbar auf die Zukunft der Lebensmittelproduktion auswirkt.

Für Mars Deutschland, das am Standort Viersen am Niederrhein unter anderem Snickers, Twix, M&M’s, Maltesers, Bounty und Milky Way produziert, ist das längst Teil der Unternehmensstrategie. Seit 2023 stammt der gesamte Kakao für die europäischen Werke des Unternehmens aus verantwortungsvoll beschafften Quellen, die über das Programm „Cocoa for Generations“ verifiziert werden.

Im Mittelpunkt stehen der Schutz von Wäldern, die Verbesserung der Lebensbedingungen von rund 350.000 Kakaobauern sowie eine möglichst lückenlose Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette. Darüber hinaus spricht sich Mars öffentlich für wirksame Sorgfaltspflichten und mehr Transparenz in globalen Lieferketten aus.

Nestlé bringt mehr Vielfalt aufs Feld

Im Hohenloher Land entstehen Blühstreifen, Brachflächen und Winterzwischenfrüchte. Dahinter steht das EU LIFE-Projekt „Insect Responsible Sourcing Regions“, an dem Nestlé Deutschland gemeinsam mit dem Global Nature Fund, dem Netzwerk Blühende Landschaften und der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall beteiligt ist. Ziel ist es, neuen Lebensraum für Insekten zu schaffen und gleichzeitig die Qualität landwirtschaftlicher Böden zu stärken.

Das Engagement reicht jedoch weit über Deutschland hinaus. Nestlés Kaffee-Marke NESCAFÉ bezog 2024 bereits 32 Prozent des Kaffees von Landwirten, die regenerative Praktiken umsetzen und übertraf damit das eigene Ziel von 20 Prozent für 2025. Mehr als 200.000 Kaffeebauern in 16 Ländern wurden im vergangenen Jahr darin geschult, ihre Böden widerstandsfähiger und produktiver zu machen.

Gruppe von Menschen steht auf einem blühenden Feld bei einer landwirtschaftlichen ExkursionQuelle: Nestlé Deutschland

Unilever: Eine Million Hektar regenerative Landwirtschaft

Unilever hat sich eines der größten Flächenziele in der gesamten Lebensmittelbranche gesetzt: Bis 2030 sollen regenerative Anbaumethoden auf eine Million Hektar landwirtschaftlicher Fläche ausgeweitet werden. Parallel dazu sollen eine weitere Million Hektar natürlicher Ökosysteme geschützt und renaturiert werden. Hinter Marken wie Knorr, Hellmann’s und Lipton stecken Rohstoffe wie Soja, Palmöl, Reis, Gemüse und Tee, deren Anbau gezielt umgestaltet wird.

Ende 2025 liefen 34 aktive Programme in 17 Ländern, die zusammen 254.000 Hektar abdeckten. Das entspricht etwa der doppelten Fläche des Saarlands. Tomatenbauern in Spanien konnten zum Beispiel ihre Treibhausgasemissionen pro Kilogramm Tomate um ein Drittel senken, Sojafarmer in Iowa bauten messbar gesündere Böden auf.

Nach Unternehmensangaben stammten 2025 bereits 97 Prozent der Rohstoffe Palmöl, Tee, Soja und Kakao aus entwaldungsfreien Lieferketten, überwacht per Satellit, über Lieferantenaudits und direkte Partnerprogramme mit Kleinbauern.

Mondelēz: Schattenbäume statt Monokulturen

Wohl jeder hierzulande kennt Milka, Oreo, Toblerone und Philadelphia. Mondelez gehört zu den bekanntesten Markenportfolios in deutschen Supermärkten. Hinter den Produkten steckt ein Rohstoffprogramm, das zu den größten seiner Art in der Schokoladenbranche zählt: Cocoa Life.

Mondelez schult Kakao-Bauern in Ghana, Nigeria, Kamerun, Brasilien, Indonesien und an der Elfenbeinküste. Sie lernen, ihre Anbaumethoden zu verbessern und Felder kartografisch zu erfassen. Wer seinen Boden gesund hält, Schattenbäume pflanzt und Erosion verhindert, bekommt dafür eine direkte Vergütung.

Dadurch entstehen strukturreichere Anbausysteme mit positiven Effekten für Bodenqualität und Artenvielfalt. Gleichzeitig sinkt der Druck auf umliegende Wälder, weil bestehende Flächen produktiver bewirtschaftet werden können.

2025 hat Mondelez sein selbst gestecktes Ziel bereits erreicht. Cocoa Life deckt nun 100 Prozent des Kakaovolumens für alle Schokoladenmarken des Konzerns ab. 257.000 Kakaobauern sind inzwischen im Programm registriert. Bis 2030 investiert Mondelēz insgesamt eine Milliarde US-Dollar in die Initiative.

Person erntet eine reife gelbe Kakaofrucht mit einer Gartenschere vom AstQuelle: NARONG / Adobe Stock

Die Branche ist in Bewegung

Blühstreifen im Saarland, Schattenbäume in Ghana, Milchwiesen in Frankreich: Was diese Beispiele verbindet, ist die Erkenntnis, dass Artenvielfalt eine Investition in die eigene Zukunft ist. Sie ist die Voraussetzung für stabile Rohstoffe, widerstandsfähige Lieferketten und eine zukunftsfähige Landwirtschaft.

Der Weg bleibt anspruchsvoll. Landwirtschaftliche Flächen sollen zugleich produktiv bleiben, den Folgen des Klimawandels standhalten und Lebensräume für Tiere und Pflanzen erhalten. Genau deshalb gewinnen Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität entlang der gesamten Wertschöpfungskette an Bedeutung.

Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Unternehmen. Europäische Vorgaben zu Nachhaltigkeitsberichterstattung und Sorgfaltspflichten erhöhen die Erwartungen an den Umgang mit Biodiversitätsrisiken und natürlichen Ressourcen. Viele Lebensmittelhersteller beschäftigen sich bereits seit Jahren mit diesen Themen und sammeln praktische Erfahrungen entlang ihrer Lieferketten.

Der Internationale Tag der Biodiversität macht sichtbar, was vielerorts bereits Realität ist: Der Schutz biologischer Vielfalt ist Teil moderner Lebensmittelproduktion geworden. Wer die Ernährung von morgen sichern will, muss die natürlichen Grundlagen erhalten, auf denen sie beruht.

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