„Viele Unternehmen wissen gar nicht, dass ihre Investitionen förderfähig sind“

Investitionsentscheidungen fallen der Ernährungsindustrie derzeit schwer. Hohe Energiepreise, steigende regulatorische Anforderungen und Kostendruck bremsen viele Vorhaben aus. Lina Heidebrecht von der Spitzmüller AG erklärt im Interview, wie Fördermittel dabei helfen können, Investitionen wirtschaftlicher umzusetzen, und warum sich auch ein Blick auf bereits abgeschlossene Projekte lohnen kann.

Mitarbeiterin in der Lebensmittelproduktion prüft Prozessdaten auf einem Tablet.Quelle: Parilov / Adobe Stock

Welche Herausforderungen beobachten Sie derzeit bei Unternehmen der Ernährungsindustrie, und wie können Fördermittel dabei helfen?

Lina Heidebrecht: Die Ernährungsindustrie steht aktuell vor mehreren Herausforderungen gleichzeitig. Hohe Energie- und Rohstoffpreise, steigende regulatorische Anforderungen, Fachkräftemangel und anhaltender Kostendruck erschweren Investitionsentscheidungen. Gleichzeitig müssen Unternehmen ihre Produktion modernisieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Genau hier können Fördermittel einen entscheidenden Beitrag leisten. Sie reduzieren die Investitionskosten und schaffen finanziellen Spielraum für Projekte, die sonst häufig verschoben würden. Besonders Investitionen in energieeffiziente Produktionsanlagen oder die Automatisierung von Prozessen amortisieren sich dadurch deutlich schneller.

Wir erleben in der Praxis immer wieder, dass Unternehmen notwendige Investitionen aufgrund hoher Kosten zunächst zurückstellen. Dabei kann eine frühzeitige Fördermittelprüfung den Ausschlag geben, ein Projekt doch wirtschaftlich umzusetzen.

Lina Heidebrecht, Fördermittelexpertin bei der Spitzmüller AGQuelle: Spitzmüller AG

Welche Fördermöglichkeiten gibt es speziell im Bereich Energie- und Ressourceneffizienz? Welche Investitionen werden typischerweise unterstützt?

Lina Heidebrecht: Gerade im Bereich Energie- und Ressourceneffizienz gibt es attraktive Fördermöglichkeiten. Besonders relevant für die Ernährungsindustrie sind die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) sowie – bei Gebäudemaßnahmen – die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

Gefördert werden unter anderem energieeffiziente Produktionsanlagen, Anlagen zur energieeffizienten Erzeugung von Prozesswärme und Prozesskälte, Wärmerückgewinnungsanlagen, moderne Kessel- und Ofentechnik sowie CO₂-Rückgewinnungssysteme. Auch Investitionen in Reinigungsanlagen, energieeffiziente Abfülltechnik oder energetische Sanierungen von Bestandsgebäuden können förderfähig sein.

Gerade in der Ernährungsindustrie entstehen durch kontinuierliche und energieintensive Produktionsprozesse häufig erhebliche Einsparpotenziale. Deshalb lohnt sich die Prüfung einer Förderung bei nahezu jeder Investition.

Viele Unternehmen wissen gar nicht, dass ihre geplanten Maßnahmen förderfähig sein könnten. Welche Projekte oder Investitionen kommen häufiger infrage, als viele vermuten?

Lina Heidebrecht: Eine der größten Fehleinschätzungen ist, dass Fördermittel nur für Forschungs- oder Großprojekte zur Verfügung stehen. Tatsächlich können bereits viele klassische Investitionsmaßnahmen förderfähig sein.

Dazu gehören beispielsweise Sondermaschinen, innovative Lager- und Logistiksysteme, Automatisierungslösungen sowie energetische Sanierungen bestehender Gebäude. Auch Produkt- oder Prozessentwicklungen erfüllen häufig die Voraussetzungen – selbst dann, wenn das Unternehmen selbst diese Arbeiten gar nicht als Forschung wahrnimmt.

Wir stellen in unseren Gesprächen immer wieder fest, dass Unternehmen bereits förderfähige Projekte geplant oder sogar abgeschlossen haben, ohne die vorhandenen Fördermöglichkeiten zu kennen. Deshalb empfehlen wir, Projekte und Investitionen grundsätzlich auf ihre Förderfähigkeit frühzeitig prüfen zu lassen.

Sie begleiten Unternehmen von der ersten Idee bis zur Antragstellung. Wie läuft dieser Prozess typischerweise ab und welche Unterstützung bieten Sie dabei?

Lina Heidebrecht: Der erste Schritt ist immer ein unverbindliches und kostenfreies Erstgespräch. Dabei lernen wir das Unternehmen und dessen geplante Vorhaben kennen und prüfen, welche Förderprogramme grundsätzlich infrage kommen.

Im Anschluss analysieren wir die Erfolgsaussichten und entwickeln gemeinsam mit dem Unternehmen die passende Förderstrategie. Übernimmt die Spitzmüller AG die Begleitung, kümmern wir uns um die vollständige Antragstellung – von den technischen und wirtschaftlichen Unterlagen bis zur Kommunikation mit den Förderstellen.

Unsere Unterstützung endet jedoch nicht mit der Bewilligung. Wir begleiten unsere Kunden während der gesamten Projektlaufzeit, unterstützen bei Änderungsanzeigen, Zahlungsabrufen und dem abschließenden Verwendungsnachweis. Dadurch können sich die Unternehmen auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, während wir den Förderprozess steuern.

Können Sie ein Praxisbeispiel aus der Ernährungsindustrie vorstellen, das zeigt, wie Unternehmen erfolgreich Fördermittel genutzt haben?

Lina Heidebrecht: Ein gutes Beispiel stellt die Förderung eines hochmodernen, nachhaltigen Logistikzentrums bei einem führenden Hersteller von Lebkuchen dar. Durch die Förderung konnte eine zukunftsfähige und ressourcenschonende Logistiklösung umgesetzt, die Prozesse beschleunigt und die Lagerkapazitäten erweitert werden.

Ein weiteres Beispiel stellt die Förderung von Wärmerückgewinnungssystemen an industriellen Backöfen dar. Die dabei zurückgewonnene Energie kann direkt im Produktionsprozess genutzt werden. Das reduziert den Energieverbrauch, senkt dauerhaft die Betriebskosten und verbessert gleichzeitig die CO₂-Bilanz.

Darüber hinaus begleiten wir auch regelmäßig Investitionen in Produktionsanlagen, Kältetechnik sowie moderne Lager- und Logistiksysteme. Diese Projekte zeigen, dass Fördermittel nicht nur Innovationen unterstützen, sondern ganz konkrete wirtschaftliche Vorteile schaffen.

Besonders spannend ist die Möglichkeit einer rückwirkenden Förderung. Wie funktioniert das genau?

Lina Heidebrecht: Viele Unternehmen wissen nicht, dass Forschungs- und Entwicklungsprojekte auch rückwirkend gefördert werden können. Möglich ist dies über die Forschungszulage.

Berücksichtigt werden können Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die frühestens ab dem 2. Januar 2020 begonnen wurden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Entwicklungsarbeiten intern durchgeführt oder an externe FuE-Partner (EU/EWR) vergeben wurden.

Gerade Unternehmen der Ernährungsindustrie entwickeln ihre Produkte und Produktionsprozesse kontinuierlich weiter. Viele dieser Projekte erfüllen die Voraussetzungen der Forschungszulage, ohne dass sich die Unternehmen dessen bewusst sind. Deshalb lohnt sich häufig auch ein Blick auf bereits abgeschlossene Entwicklungsprojekte.

Welche Fehler erleben Sie in der Praxis am häufigsten, wenn Unternehmen Fördermittel beantragen möchten und wie lassen sie sich vermeiden?

Lina Heidebrecht: Der häufigste Fehler ist ein zu früher Projektstart. Viele Unternehmen beauftragen bereits Lieferanten oder beginnen mit der Umsetzung, bevor der Förderantrag gestellt wurde. Je nach Förderprogramm kann dadurch der gesamte Förderanspruch verloren gehen.

Auch bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten sehen wir häufig, dass die technische Unsicherheit nicht ausreichend dokumentiert wird. Förderfähig sind Entwicklungsleistungen – nicht alltägige Optimierungen oder Routinearbeiten.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist eine saubere Projektdokumentation. Nachvollziehbare Arbeitszeitnachweise, technische Meilensteine und vollständige Unterlagen erleichtern die spätere Prüfung erheblich.

Welchen Rat würden Sie Unternehmen der Ernährungsindustrie geben, die sich erstmals mit Fördermitteln beschäftigen?

Lina Heidebrecht: Mein Rat ist, das Thema Förderung frühzeitig mitzudenken. Viele Unternehmen prüfen Fördermöglichkeiten erst, wenn Investitionsentscheidungen bereits gefallen sind oder Projekte bereits begonnen wurden. Dadurch werden wertvolle Fördermöglichkeiten leider oft verpasst. Eine frühzeitige Fördermittelprüfung schafft Planungssicherheit und zeigt, welche Investitionen mit Hilfe von Fördermitteln wirtschaftlicher umgesetzt werden können. Unsere Erfahrung zeigt: Es lohnt sich, nahezu jede Investition auf ihre Förderfähigkeit zu prüfen. Häufig steckt mehr Potenzial darin, als Unternehmen zunächst vermuten.

Vielen Dank für das Gespräch!

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