Getränkeindustrie im Wandel: „Jetzt geht es darum, Chancen zu nutzen“

Die europäische Getränkeindustrie steckt im Umbruch. Alkoholfrei boomt, klassische Segmente stagnieren, der Kostendruck wächst. Markus Kosak, Executive Director der BrauBeviale, spricht im Interview über den Wandel, die Chancen und warum Nürnberg im November der richtige Ort ist, um beides zusammenzubringen.

Ein Aussteller erklärt zwei Besuchern an einem Bildschirm eine Brauanlage, im Hintergrund Edelstahltanks und Messestand.Quelle: YONTEX

„Time for Opportunities“ klingt nach Aufbruch. Welche Chancen sehen Sie aktuell für die europäische Getränkeindustrie, die zugleich mit großen Herausforderungen kämpft?

Markus Kosak: Genau das war unser Ziel bei der Wahl unseres Leitthemas für die BrauBeviale 2026: Aufbruchstimmung erzeugen. Die Getränkeindustrie hat schon so oft ihre enorme Flexibilität und Wandlungsfähigkeit bewiesen, jetzt geht es darum diese Stärken wieder zu entfalten. Die Chancen liegen sicherlich in der Veränderung von Verbraucherpräferenzen, die neue Produktkonzepte erforderlich machen. Und sie liegen darin, dass viele Akteure beim europäischen Austausch in Nürnberg Impulse für die heimische Getränkebranche mitnehmen. Das stärkt die Branche, das stärkt jeden einzelnen Hersteller und das stärkt natürlich auch den europäischen Binnenmarkt.

Porträtfoto von Markus Kosak, Executive Director BrauBeviale, vor hellem Hintergrund.Quelle: YONTEX

Alkoholfreie Biere und funktionale Getränke wachsen, klassische Segmente stagnieren. Erlebt die Branche gerade einen grundlegenden Wandel und wie spiegelt sich das in der Messe wider?

Markus Kosak: Wir erleben gerade sehr spannende Entwicklungen im Markt. Verbraucherinnen und Verbraucher wollen leistungsfähig bleiben – möchten aber gleichzeitig auch gemeinsam genießen. Das bedeutet für traditionsreiche Getränkesegmente wie Bier, dass sie weiterhin ihre Rolle im Markt festigen können. Gleichzeitig eröffnet der Wunsch nach Selbstoptimierung neue Chancen für Getränkehersteller durch Portfolio-Anpassungen und -erweiterungen. Unsere Aussteller haben das verstanden und zeigen Lösungen für alle Anforderungen der Branche in Europa.

Mit unserem neuen Claim „All Beverages – One future“ ermutigen wir unsere Aussteller dazu, die BrauBeviale als langfristige Plattform zu nutzen, um Technik und Lösungen für alle Getränkesegmente zu präsentieren. Auf diese Weise haben insbesondere die mittelständischen Getränkehersteller einen breiten Blick darauf, wie sie mit ihrem Getränkeportfolio die sich verändernden Präferenzen der Verbraucher für ihre Unternehmensentwicklung nutzen können.

Der direkte Austausch unter Praktikern ist der Markenkern der BrauBeviale. Was können Besucher 2026 erleben, das sie in keinem Webinar und in keiner Branchenpublikation finden?

Markus Kosak: Nirgendwo sonst treffen sie so viele Branchenexperten, Kolleginnen und Kollegen innerhalb von drei Tagen. Es ist immer ein großes Wiedersehen in den Messehallen und zeigt mir jedes Mal aufs Neue, wie wichtig die persönliche Begegnung ist. Egal ob mit ehemaligen Kommilitonen, Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben oder den Ansprechpartnern bei Zulieferern. Es bleibt einfach wichtig mit den Experten in persönlichem Austausch auch technische Fragen oder Rohstoffthemen zu besprechen, das beginnt bei sensorischen Erfahrungen bei Hopfensorten oder Extrakten und endet bei Softwarelösungen, die direkt vor Ort präsentiert werden.

Welche drei Programmpunkte würden Sie einem Erstbesucher unbedingt empfehlen?

Markus Kosak: Erstens: eine Erkundungstour durch alle Messehallen. Hier findet man das gesamte Angebot entlang der Prozesskette der Getränkeindustrie: von den Rohstoffen, über die Prozesstechnik, Abfüllung und Verpackung bis hin zur Vermarktung. Wer gezielt sucht, sollte vorab auf www.braubeviale.com die Aussteller- und Produktdatenbank nach den für den eigenen Betrieb relevanten Bereichen durchsuchen.

Zweitens: einen Stopp an der neuen Discovery Bar in Halle 6. Dort treffen Besucher auf Hersteller neuer Getränkekreationen und können Produkte verkosten, die noch nicht in jedem Supermarktregal stehen. Inspiration und direkter Austausch werden auf engem Raum konzentriert.

Drittens: die Main Stage und die zugeordneten Angebote des Rahmenprogramms. Die Themen sind so gesetzt, dass für jedes Getränkesegment Impulse mitgenommen werden können. Stichworte wie Anforderungen der PPWR, die Diskussion um eine Zuckersteuer oder auch Fragen rund um die Entalkoholisierung von Bier sowie energieeffizientes Brauen werden hier mit Fachleuten griffig aufbereitet.

Belebte Messehalle mit zahlreichen Besuchern, Ausstellerständen und Getränkemarken im Hintergrund.

Nachhaltigkeit ist seit Jahren das große Schlagwort. Welche konkreten Lösungen werden auf der BrauBeviale 2026 zu sehen sein?

Markus Kosak: Es ist für uns kein Schlagwort, sondern es vermittelt eine Haltung. In der Getränkeindustrie ist das Thema seit vielen Jahren in der Unternehmenssteuerung verankert. Ressourceneffizienz spielt in unseren Augen gerade eine zentrale Rolle. Unsere Aussteller bieten entlang der gesamten Prozesskette State-of-the-Art-Lösungen. Auch im Rahmenprogramm adressieren wir den Themenkomplex Nachhaltigkeit, etwa mit einem Workshop zum Nachhaltigkeits-Assessment für Brauereien, Pilotprojekten, die sich mit der Verwertung von Nebenströmen beschäftigen oder die Erzeugung von Prozesswärme ressourcenschonender machen.

Wenn Sie heute selbst Brauereichef wären: In welches Zukunftsthema würden Sie investieren?

Markus Kosak: Für mich stechen da zwei Zukunftsthemen heraus: Die eben erwähnte Ressourceneffizienz über den gesamten Produktionsprozess hinweg. Da gibt es viele kleine und große Stellschrauben, an denen man drehen kann, um sich nachhaltiger aufzustellen und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit nicht aus dem Blick zu verlieren. Und zum anderen würde ich in Kreativität und Flexibilität bei der Produktentwicklung investieren. Zudem könnte die Branche auch beim Pfandthema sicherlich Verstärkung gebrauchen (lacht).

Woran werden Sie nach der BrauBeviale 2026 erkennen, dass „Time for Opportunities“ erfolgreich mit Leben gefüllt wurde?

Markus Kosak: Wir haben die Signale, dass die Getränkebranche – und insbesondere auch die Brauereien – bereit sind zu investieren. Das wird sich bei unseren Ausstellern bemerkbar machen. Wir sind zuversichtlich, dass ein Besuch in Nürnberg für viele den Weg von der Idee zur konkreten Umsetzung verkürzt. Wenn wir 2027 auf Projekte blicken können, die in Nürnberg ihren Anfang genommen haben, dann wissen wir: „Time for Opportunities“ war mehr als ein Motto.

Vielen Dank für das Gespräch!

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