Gemeinsame Stellungnahme zur Einführung der Zuckersteuer

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die Verbändelogos zur gemeinsamen Stellungnahme der Verbände der Lebensmittelwirtschaft zum Antrag (Bundesrats-Drucksache Nr. 145/26) aus Schleswig-Holstein zur geplanten Einführung einer ZuckersteuerQuelle: BVE

Zum Hintergrund

Im März 2026 hat das Land Schleswig-Holstein im Bundesrat einen Antrag zur Einführung einer Zuckersteuer eingebracht (Drucksache Nr. 145/26). Die Verbände der Lebensmittelwirtschaft haben daraufhin eine gemeinsame Stellungnahme an die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, die zuständigen Landesministerinnen und Landesminister sowie die Leiter der Landesvertretungen gerichtet und sprechen sich darin klar gegen das Vorhaben aus.

Berlin, 16. April 2026

Gemeinsame Stellungnahme der Verbände der Lebensmittelwirtschaft zum Antrag aus Schleswig-Holstein zur geplanten Einführung einer Zuckersteuer

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit dem Antrag des Landes Schleswig-Holstein zur Einführung einer Zuckersteuer steht eine weitreichende staatliche Eingriffsmaßnahme zur Entscheidung, die wir als breite Allianz der Lebensmittelwirtschaft mit Nachdruck ablehnen. Der Vorschlag folgt einer Logik, die auf symbolische Steuerpolitik statt auf evidenzbasierte Lösungen setzt. Er greift tief in Konsumfreiheit, Marktmechanismen und bewährte Kooperationsansätze ein – ohne dass seine Wirksamkeit wissenschaftlich belastbar belegt wäre.

1. Politik ohne Evidenz: Die Zuckersteuer ist wissenschaftlich nicht tragfähig

Ein staatlicher Eingriff dieser Größenordnung setzt voraus, dass seine Wirksamkeit eindeutig belegt ist. Genau das ist nicht der Fall. Eine umfassende wissenschaftliche Analyse zentraler Studien¹ kommt zu dem Ergebnis, dass keine der häufig herangezogenen Untersuchungen den Anforderungen evidenzbasierter Politik genügt. Es fehlen belastbare Kausalitätsnachweise, realitätsnahe Modellannahmen und eine verlässliche Datenbasis.

Die politische Argumentation stützt sich damit im Kern auf Modellrechnungen, die Wirkung lediglich unterstellen, nicht belegen. Wer auf dieser Grundlage in Märkte eingreift, ersetzt wissenschaftliche Evidenz durch politische Wunschvorstellungen.

2. Verzerrte Problembeschreibung statt faktenbasierter Analyse

Der Antrag zeichnet ein Bild, das mit der tatsächlichen Entwicklung in Deutschland nicht übereinstimmt. Der Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke bei Kindern und Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Die große Mehrheit konsumiert diese Produkte nicht täglich, und auch hohe Konsummengen haben sich reduziert². Gleichzeitig zeigen die verfügbaren Daten: Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas ist seit Jahren stabil³.

3. Die Realität zeigt: Freiwilligkeit wirkt – und zwar messbar

Die Lebensmittelwirtschaft hat längst gehandelt – und zwar erfolgreich. Der Zuckergehalt von marktrelevanten Erfrischungsgetränken wurde seit 2018 um rund 15 Prozent reduziert⁴. Diese Entwicklung ist das Ergebnis freiwilliger Reformulierungen, Innovationen und eines breiteren Produktangebots. Auch zahlreiche andere Branchen der Ernährungsindustrie haben den Zuckergehalt Ihre Produkte in den vergangenen Jahren signifikant gesenkt. Die politische Botschaft des Antrags lautet dennoch: Kooperation reicht nicht, es braucht staatlichen Zwang. Damit wird ein funktionierender Ansatz ohne Not delegitimiert.

4. Zuckersteuer: Belastung ohne gesicherten Nutzen

Eine Zuckersteuer ist kein neutrales Instrument. Sie bedeutet gerade in Zeiten hoher und weiter steigender Preise eine zusätzliche Belastung für Verbraucherinnen und Verbraucher, zusätzliche Bürokratie für Unternehmen, Eingriffe in die Konsumentscheidungen der Menschen und all das ohne belastbaren Nachweis eines gesundheitlichen Nutzens.

5. Symbolpolitik statt wirksamer Prävention

Übergewicht und ernährungsmitbedingte Erkrankungen sind komplexe gesellschaftliche Herausforderungen. Sie lassen sich nicht durch die isolierte Verteuerung einzelner Produkte ansetzen: Ernährungsbildung, Bewegung, Lebensumfeld und soziale Rahmenbedingungen. Eine Steuer auf einzelne Zutaten ist dagegen ein Instrument, das zwar mehr Steuereinnahmen für den Staat generiert, aber nicht auf die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger einwirkt. Eine Steuer kann Konsum verschieben, aber keine nachhaltigen gesundheitlichen Verbesserungen garantieren.

Wir appellieren daher eindringlich an Sie: Setzen Sie auf faktenbasierte Politik statt auf symbolische Eingriffe – und lehnen Sie die Einführung einer Zuckersteuer ab.

Für Gespräche und einen konstruktiven Dialog über zielführende gemeinsame Maßnahmen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss
Kim Cheng, Hauptgeschäftsführerin

Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rübenbauerverbände
Bernhard Conzen, Vorsitzender

Bundesverband der Deutschen Spirituosenindustrie und -importeure e. V.
Angelika Wiesgen-Pick, Geschäftsführerin

Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e. V.
Dr. Carsten Bernoth, Hauptgeschäftsführer

Bundesverband der Deutschen Systemgastronomie e. V.
Markus Suchert, Hauptgeschäftsführer

Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie e. V.
Christoph Freitag, Geschäftsführer

Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels e. V.
Dirk Reinsberg, Geschäftsführender Vorstand

Bundesverband Deutscher Wurst- und Schinkenproduzenten e. V.
Horst Koller, Geschäftsführer

Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V.
Antonin Finkelnburg, Hauptgeschäftsführer

Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e. V.
Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer

Der Backzutatenverband e. V.
Christof Crone, Geschäftsführer

Deutscher Bauernverband
Stefanie Sabet, Generalsekretärin

Deutscher Brauer-Bund e. V.
Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer

Deutscher Fleischer-Verband
Martin Fuchs, Hauptgeschäftsführer

Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e. V.
Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin

Deutscher Konditorenbund
Gerhard Schenk, Hauptgeschäftsführer

Kulinaria Deutschland e. V.
Dr. Markus Weck, Hauptgeschäftsführer

Lebensmittelverband Deutschland e. V.
Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer

Milchindustrie-Verband e. V.
Dr. Björn Börgermann, Hauptgeschäftsführer

Private Brauereien Deutschland
Martin Schimpf, Präsident

Private Mills Germany
Christof Engelke, Präsident

Süßstoffverband e. V.
Isabelle Begger, Vorstand

SWEETS GLOBAL NETWORK e.
Joachim Eckert, Vorstandsvorsitzender

Union der italienischen Speiseeishersteller e. V.
Augusto De Pellegrin, Präsident

Verband der Deutschen Fruchtsaftindustrie e. V.
Klaus Heitlinger, Geschäftsführer

Verband der Fleischwirtschaft e. V.
Steffen Reiter, Hauptgeschäftsführer

Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft e. V.
Dr. Peter Haarbeck, Hauptgeschäftsführer

Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e. V.
Dr. Momme Matthiesen, Geschäftsführer

Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels e. V.
Andreas Vogel, Vorstand

Verband Deutscher Großbäckereien e. V.
Tobias Schuhmacher, Hauptgeschäftsführer

Verband Deutscher Mineralbrunnen e. V.
Jürgen Reichle, Geschäftsführer

Verein der Zuckerindustrie e. V.
Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer

Wirtschaftliche Vereinigung Zucker
Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer

Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke
Dr. Detlef Groß, Hauptgeschäftsführer

Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V.
Wolfgang Schleicher, Geschäftsführer

Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft e. V.
Dr. Bernd Nauen, Hauptgeschäftsführer

Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e. V.
Dr. Friedemann Berg, Hauptgeschäftsführer


1 Schüller et al, Statistisch-methodische Bewertung von Modellierungsstudien zu den Effekten einer Zuckersteuer, 2025,
Online abrufbar unter https://www.lebensmittelverband.de/de/verband/positionen/positionspapier-statistisch-methodischebewertung-von-modellierungsstudien-zu-den-effekten-einer-zuckersteuer
2Mensink GBM, Schienkiewitz A, Rabensberg M, Borrmann A, Richter A, Haftenberger M. Konsum zuckerhaltiger
Erfrischungsgetränke bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends.
Journal of Health Monitoring. 2018;3(1):32–9. DOI: 10.17886/RKI-GBE-2018-007. Online abrufbar unter:
https://edoc.rki.de/handle/176904/3033
3 Schienkiewitz A, Brettschneider A-K, Damerow S, Schaffrath Rosario A. Übergewicht und Adipositas im Kindes- und
Jugendalter in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Journal of Health Monitoring.
2018;3(1):16–23. DOI: 10.17886/RKI-GBE-2018-005.2. Online abrufbar unter: https://edoc.rki.de/handle/176904/3031.2
4 vgl. Pressemitteilung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), online abrufbar unter
www.bmleh.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/054-zwischenbilanz-weniger-zucker.html

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