Mehr Fleisch auf dem Teller: Warum der Konsum in Deutschland wieder steigt

Seit drei Jahren in Folge steigt der Fleischkonsum in Deutschland. Vor allem Geflügel legt deutlich zu, Schweinefleisch bleibt Spitzenreiter. Doch während die Nachfrage wächst, verschieben sich die Strukturen, mit Folgen für Märkte, Importe und die gesamte Branche.

Gegrilltes Fleisch und Würstchen auf einem Teller beim Grillen im Freien.Quelle: Syda Productions / Adobe Stock

Lange schien es, als würde der Fleischkonsum in Deutschland dauerhaft sinken. Doch die aktuellen Zahlen zeichnen ein anderes Bild. Er steigt wieder und das nun bereits im dritten Jahr. 2025 verzehrte jeder Deutsche nach vorläufigen Berechnungen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) durchschnittlich 54,9 Kilogramm Fleisch. Das entspricht einem Plus von 1,4 Kilogramm gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt erhöhte sich der Fleischverzehr in Deutschland um 2,7 Prozent auf rund 4,6 Millionen Tonnen. Damit ist klar: Fleisch bleibt ein zentraler Bestandteil der Ernährung vieler Menschen.

Geflügel knackt Rekordmarke

Treiber des Trends ist vor allem Geflügelfleisch. Mit 14,7 Kilogramm pro Person erreichte es 2025 ein Allzeithoch und machte damit knapp 27 Prozent des gesamten Fleischkonsums aus. Besonders gefragt war Hühnerfleisch, das mit einem Pro-Kopf-Verzehr von 11 Kilogramm das Geflügelsegment klar dominiert, gefolgt von Truthühnerfleisch mit 3 Kilogramm. Enten- und Gänsefleisch spielen mengenmäßig eine untergeordnete Rolle.

Neben dem anhaltenden Gesundheits- und Proteinbewusstsein vor allem in der jüngeren Generation spielte auch der Preisfaktor eine wichtige Rolle. „Neben der zunehmenden Beliebtheit von Geflügelfleisch dürfte der geringere Verbraucherpreisanstieg im Vergleich mit den anderen Fleischsorten 2025 zum höheren Absatz beigetragen haben“, erklärt BZL-Leiter Dr. Josef Goos.

Infografik zeigt Entwicklung des Fleischverzehrs in Deutschland bis 2025 nach FleischartenQuelle: BLE

Schwein bleibt die Nummer eins

Trotz des Geflügel-Booms behauptet Schweinefleisch seinen Spitzenplatz. Mit durchschnittlich 28,3 Kilogramm pro Person entfallen knapp 52 Prozent des gesamten Fleischverzehrs auf das Schwein.

Nach zwei Jahren weitgehend stabiler Werte konnte hier wieder ein leichter Anstieg verzeichnet werden. Auch Rind- und Kalbfleisch legte trotz gestiegener Verbraucherpreise moderat zu und erreichte 9,7 Kilogramm pro Kopf, ein Zuwachs von rund 200 Gramm.

Produktion sinkt, Importe steigen

Während der Fleischkonsum in Deutschland wächst, bewegt sich die heimische Produktion in die entgegengesetzte Richtung. Die Nettofleischproduktion sank hierzulande 2025 um 0,3 Prozent auf 7,3 Millionen Tonnen Schlachtgewicht.

Hauptursache waren rückläufige Rinderschlachtungen, die Nettoerzeugung bei Rind- und Kalbfleisch ging sogar um sechs Prozent zurück. Auch die Geflügelproduktion blieb mit 1,5 Millionen Tonnen knapp unter dem Vorjahresniveau, belastet durch Vogelgrippeausbrüche. Lediglich bei Schweinefleisch gab es ein kleines Plus von 1,1 Prozent, gestützt durch stabilere Bestände und höhere Schlachtgewichte pro Tier.

Um die gestiegene Nachfrage zu decken, legten die Importe von Fleisch und Fleischerzeugnissen erheblich zu. Sie stiegen um fast elf Prozent auf rund 3,6 Millionen Tonnen. Besonders gefragt aus dem Ausland waren Rind-, Geflügel- und Schaffleisch. Die Exporte übertreffen zwar weiterhin die Einfuhren, wuchsen jedoch nur um gut ein Prozent.

Der Selbstversorgungsgrad sank entsprechend von 119,1 Prozent (2024) auf 114,6 Prozent. Bei Rindfleisch wurde erstmals die Marke von 100 Prozent unterschritten, bei Geflügel lag sie bei 91,3 Prozent.

Selbst beim traditionellen Exportschlager Schweinefleisch, das mit einem rechnerischen Selbstversorgungsgrad von 139 Prozent produziert wird, müssen bei begehrten Teilstücken wie Filet, Schinken oder Kotelett laut Branchenschätzungen rund 20 Prozent importiert werden.

Kundin wählt verpacktes Fleisch im Supermarkt an der Kühltheke aus.Quelle: lado2016 / Adobe Stock

Der Grill als Wachstumstreiber

Grillen gehört für die meisten Deutschen fest zum Sommer. Das bestätigt eine aktuelle Wiesenhof-Grillstudie. Rund 90 Prozent der Befragten geben an, zumindest gelegentlich zu grillen, gut jeder Fünfte sogar sehr oft.

Auch regional zeigt sich ein klares Bild: Im Norden Deutschlands glühen die Grills besonders häufig. 92 Prozent der Norddeutschen geben an, mindestens gelegentlich zu grillen, und holen sich damit nach zwei Jahren den Titel als Grillmeister-Region zurück. Immerhin 14 Prozent der befragten lassen sich von Wetter und Jahreszeit gar nicht erst aufhalten und grillen das ganze Jahr über.

Der Umsatz mit SB-Bratwürsten im Lebensmitteleinzelhandel stieg laut Marktforschungsinstitut Circana auf rund 862 Millionen Euro, der Absatz kletterte auf etwa 96.000 Tonnen. Die Produktpalette auf dem Rost wird gleichzeitig internationaler und individueller. Internationale Bratwurstspezialitäten, Premium-Burger mit individuell zusammenstellbaren Zutaten, internationale Chorizos, Dry-aged-Steaks und ein wachsendes Veggie-Segment im Grillsortiment spiegeln den Wunsch nach Vielfalt wider.

Initiative Fleisch mit spektakulärer Vulkan-Kampagne

Passend zum Aufwärtstrend schaltet die Initiative Fleisch einen Gang höher. Nach der erfolgreichen ersten Kampagne „Iss was dir schmeckt“ startete im April 2026 eine neue Kampagne speziell rund um Schweinefleisch. Der Titel: „Das große Angrillen – Schwein gehabt“.

Der Auftakt ist bewusst spektakulär inszeniert. Für den Kampagnenfilm wurde ein Schwenkgrill mit Schweinesteaks per Helikopter über einen aktiven Vulkan geflogen und an einem Seil in Richtung Krater abgelassen. Verbreitet wird der Film über Social Media, Streaming-Plattformen, Influencer-Kooperationen und am Point of Sale.

Dr. Kirsten Otto, Geschäftsführerin der Initiative Fleisch, betonte im Gespräch mit dem Fachmedium top agrar, dass Schweinefleisch seit Generationen Teil der deutschen Ess- und Grillkultur sei. Ziel der Kampagne sei es, den Blick wieder stärker auf Genuss und Alltag zu lenken, jenseits zugespitzter gesellschaftlicher Debatten. „Der Kern ist: mehr Miteinander, weniger K(r)ampf“, so Otto.

Fleischkonsum zwischen Wachstum und Strukturwandel

Der Fleischverzehr in Deutschland erholt sich. Die Wachstumstreiber sind Geflügel, Convenience-Grillprodukte und eine zunehmend auf Qualität und Herkunft ausgerichtete Nachfrage. Gleichzeitig stellt die sinkende Inlandsproduktion die Branche vor strategische Fragen zur Versorgungssicherheit. Wachsende Importabhängigkeit, steigende Anforderungen an Tierwohl und Herkunftstransparenz sowie die gesellschaftliche Positionierung des Lebensmittels Fleisch bleiben Themen, die die Ernährungsindustrie in den kommenden Jahren weiter beschäftigen werden.

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