Die deutschen Lebensmittelhersteller sehen sich auf den internationalen Märkten weiterhin mit anspruchsvollen Rahmenbedingungen konfrontiert. Geopolitische Spannungen, anhaltend hohe Kosten sowie zunehmende regulatorische Anforderungen belasten das Exportgeschäft und dämpfen die Erwartungen in vielen Zielmärkten. Gleichzeitig zeigt sich die Branche insgesamt robust: Die aktuelle Geschäftslage auf den Auslandsmärkten wird von der Mehrheit der Unternehmen positiv bewertet und auch die Einschätzung für die kommenden Monate fällt überwiegend positiv aus. Damit erweist sich die deutsche Ernährungsindustrie als widerstands- und anpassungsfähig.
Zugleich wird deutlich, dass erfolgreiche Exportstrategien heute stärker denn je von gezielter Diversifizierung, belastbaren Marktpartnerschaften und einer vorausschauenden Bewertung von Chancen und Risiken abhängen. Während die EU-Märkte ihre Rolle als stabile Kernmärkte bestätigen, fallen die Perspektiven in Drittmärkten deutlich differenzierter aus.
Die AFC Management Consulting GmbH erstellt in enger Zusammenarbeit mit der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) zum achten Mal in Folge den BVE-AFC-Exportindikator. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Die Befragung für den Exportindikator 2026 fand von Anfang März bis Mitte April 2026 statt und fiel damit in eine Phase geopolitischer Spannungen im Nahen Osten. Infolge militärischer Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und dem Iran wurde die Straße von Hormus Ende Februar zeitweise für den Schiffsverkehr gesperrt. Die Relevanz dieses Umfelds zeigt sich auch in den Ergebnissen: Politische oder wirtschaftliche Krisen zählen 2026 zu den am häufigsten genannten Gründen, aus denen Unternehmen bestimmte Märkte in den vergangenen zwölf Monaten nicht beliefern konnten.
Neben allgemeinen Fragen zu Exportchancen und -risiken widmet sich die diesjährige Studie insbesondere Freihandelsabkommen und ihrer Bedeutung für die weitere Internationalisierung der deutschen Ernährungsindustrie. Als strategisches Instrument rücken sie wieder stärker in den Fokus, da sie neue Absatzmärkte eröffnen und durch den Abbau von Zollschranken die Wettbewerbsposition auf Auslandsmärkten verbessern können.
Der Exportindikator 2026 untersucht daher, wie die Branche diese Abkommen bewertet, welche Märkte als besonders chancenreich gelten und welche Unterstützung benötigt wird, um vorhandene Potenziale gezielt zu erschließen. Die Studie liefert damit fundierte Einblicke in die Exportlage der deutschen Ernährungsindustrie und eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Wirtschaft und Politik.
