AFC/BVE-Risikostudie: Deutsche Ernährungsindustrie reagiert auf veränderte Risikolage

Das Bild zeigt eine massive Metallkette im warmen Licht als Symbol für Widerstandsfähigkeit und Resilienz.Quelle: AdobeStock_1499352897

Die deutsche Ernährungsindustrie hat aus den Krisen der vergangenen Jahre gelernt und ihr Risiko- und Krisenmanagement deutlich professionalisiert. Gleichzeitig bleibt die Risikolage angespannt: Geopolitische Konflikte, hohe Beschaffungskosten, Cyberangriffe und zunehmende Unsicherheiten bei langfristigen Investitionen stellen die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Das zeigt die aktuelle Studie zum Risiko- und Krisenmanagement in der Ernährungsindustrie der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und der AFC Risk & Crisis Consult GmbH (AFC). An der Befragung haben 330 Verantwortliche aus Unternehmen der Ernährungsindustrie teilgenommen.

„Die Ernährungsindustrie hat in den vergangenen Krisenjahren bewiesen, dass sie auch unter schwierigsten Bedingungen liefer- und handlungsfähig bleibt. Die Unternehmen haben ihre Strukturen angepasst, Lieferketten breiter aufgestellt und ihr Krisenmanagement professionalisiert. Doch Resilienz setzt auch wirtschaftliche Stärke voraus. Unternehmen können nur dann dauerhaft vorsorgen, Lieferketten absichern und in neue Technologien und Strukturen investieren, wenn sie über die notwendigen finanziellen Spielräume verfügen. Eine wettbewerbsfähige Ernährungsindustrie ist deshalb die Voraussetzung dafür, auch künftige Krisen erfolgreich bewältigen und die Versorgung zuverlässig sichern zu können“, erklärt Kim Cheng, Geschäftsführerin der BVE.

Beschaffungskosten lösen Rohwarenverfügbarkeit als größte Herausforderung ab

Die Studie zeigt eine deutliche Verschiebung der Risiken entlang der Lieferketten. Während in den vergangenen Jahren vor allem die Verfügbarkeit von Rohwaren im Mittelpunkt stand, ist inzwischen deren Verteuerung die größte Herausforderung. 81 Prozent der Befragten sehen sich mit steigenden Beschaffungskosten konfrontiert. Eine verminderte Rohwarenverfügbarkeit nennen 65 Prozent, verlängerte Lieferzeiten 57 Prozent. Auch Unsicherheiten bei langfristigen Investitionen haben an Bedeutung gewonnen.

Die Unternehmen reagieren darauf zunehmend mit strukturellen statt kurzfristigen Maßnahmen. 70 Prozent setzen auf eine stärkere Diversifizierung ihrer Lieferketten. Mehr als die Hälfte passt ihre Beschaffungsstrategie an, 43 Prozent verstärken den regionalen Rohwarenbezug. Die Erhöhung von Lagerbeständen oder der Rückzug aus einzelnen Bezugsländern verlieren dagegen an Bedeutung.

Krisenmanagement etabliert, Resilienzmanagement noch ausbaufähig

Beim klassischen Krisenmanagement ist die Branche inzwischen breit aufgestellt. 97 Prozent der befragten Unternehmen sind auf Produktkrisen vorbereitet, 81 Prozent auf betriebliche Krisen. Bei Compliance-Krisen sind es 66 Prozent, bei Reputationskrisen dagegen lediglich 50 Prozent. Auch bei den entsprechenden Ablaufplänen zeigt sich noch Nachholbedarf, insbesondere für Reputations- und Compliance-Krisen.

Deutlich weniger etabliert ist ein umfassendes betriebliches Resilienzmanagement. Lediglich 20 Prozent der befragten Unternehmen haben bislang ein entsprechendes Managementsystem implementiert. Gleichzeitig verändert sich die Wahrnehmung möglicher Schwachstellen: Während 2024 noch technische und finanzielle Faktoren im Vordergrund standen, werden inzwischen organisatorische Faktoren als besonders kritisch bewertet. Dazu gehören unter anderem Führungskultur, Veränderungsmanagement, Ressourcenverfügbarkeit sowie der Informations- und Erfahrungsaustausch.

„Resilienz entsteht nicht erst in der Krise. Unternehmen müssen ihre kritischen Prozesse und Abhängigkeiten kennen, Szenarien durchspielen und klare Strukturen für Prävention, Reaktion und Wiederanlauf schaffen. Dafür muss Business Continuity Management als verbindendes Element zwischen Risiko-, Krisen- und Resilienzmanagement verstanden und praktisch gelebt werden. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Branche hier wichtige Fortschritte gemacht hat und gleichzeitig weiter Potenzial besteht, insbesondere bei Redundanzen, Business Continuity Management und der systematischen Vorbereitung auf unterschiedliche Störungsszenarien“, sagt Lena Meinders, Geschäftsführerin der AFC Risk & Crisis Consult GmbH.

Unternehmen investieren in Cybersicherheit

Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei der Cybersicherheit aus. 88 Prozent der Unternehmen investieren inzwischen in IT-Systeme und Netzwerksicherheit, 84 Prozent setzen auf mehrstufige Datensicherung und 81 Prozent auf Schulung und Weiterbildung verantwortlicher Mitarbeitender. Zwei Drittel haben ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) aufgebaut. Gegenüber 2024 haben die Unternehmen damit in sämtlichen abgefragten Bereichen ihre Maßnahmen verstärkt.

Die Ergebnisse machen zugleich deutlich, dass sich die Anforderungen an ein modernes Krisenmanagement verändern. Neben technischen Lösungen kommt es zunehmend darauf an, Resilienz als strategische und unternehmensweite Aufgabe zu verstehen. Dazu gehören belastbare Lieferketten, eine vorausschauende Beschaffungsstrategie und Lieferkettensteuerung, widerstandsfähige IT-Systeme sowie Food Defense. Ebenso entscheidend sind organisatorische Strukturen, qualifiziertes Personal, Frühwarnsysteme und eine systematische Vorbereitung auf den Ernstfall.

Hier finden Sie die ausführlichen Studienergebnisse.

Für weitere Informationen wenden Sie sich an:

Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e. V. (BVE)
Meike Schwamborn
Tel.: 030 / 200786-144
schwamborn@ernaehrungsindustrie.de

AFC Risk & Crisis Consult GmbH
Lena Meinders
Tel.: 0228 / 98 579-0
lena.meinders@afc.net

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