Gen Z am Esstisch: Zwischen Kochtopf und Feed

Sie kocht häufiger selbst als gedacht, isst mehrheitlich Fleisch, achtet auf Proteine und Preis und teilt ihr Essen gern in sozialen Medien. Neue Studien zeichnen ein differenzierteres Bild der Generation Z, als es viele Ernährungsklischees vermuten lassen.

Junger Mann filmt sich beim Essen eines Sandwiches mit dem Smartphone auf einem Stativ in der KücheQuelle: Mediaphotos / AdobeStock

Kaum eine Generation wird in der öffentlichen Debatte über Ernährung so oft zitiert wie die Generation Z. Je nach Studie wird diese Altersgruppe unterschiedlich abgegrenzt. Mal gilt sie als vorwiegend vegan, mal als Convenience-Generation, die kaum noch selbst kocht. Ein Blick in aktuelle Marktforschungsdaten zeigt ein differenziertes Bild. Die junge Generation isst vielfältiger, bewusster und zugleich pragmatischer, als es gängige Klischees vermuten lassen.

Kochen bleibt Alltag, nicht Ausnahme

Eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) unter 2.000 16- bis 29-Jährigen kommt beim Thema Kochen zu folgendem Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Befragten bereitet täglich selbst Mahlzeiten zu Hause zu, bei Frauen liegt der Anteil noch etwas höher als bei Männern. Das Bild einer jungen Generation, in deren Alltag Selbstkochen kaum noch eine Rolle spielt, greift damit zu kurz.

Ein 2025 veröffentlichter YouGov-Report zeigt zugleich, dass Fertiggerichte in der Gen Z eine größere Rolle spielen als im Bevölkerungsdurchschnitt. 69 Prozent der Gen Z kaufen mindestens einmal im Monat Fertiggerichte, bei der Gesamtbevölkerung sind es 49 Prozent. Auch der wöchentliche Griff zu tiefgekühlten Produkten ist unter jungen Erwachsenen häufiger. Beide Befunde schließen sich nicht aus. Zusammengenommen zeigen die Befunde, dass sowohl Selbstkochen als auch Convenience im Ernährungsalltag junger Menschen eine wichtige Rolle spielen.

Zwei junge Menschen essen einen Hot Dog auf einem belebten Platz in der StadtQuelle: hopsalka / AdobeStock

Eine Studie des SINUS-Instituts im Auftrag der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung befragte 14- bis unter 28-Jährige und kam zu dem Ergebnis, dass das eigene Zuhause für diese Gruppe der wichtigste Ort des Essens bleibt, unabhängig davon, ob dort tatsächlich selbst gekocht wird. Wichtigstes Entscheidungskriterium ist demnach der Geschmack, gefolgt von Kosten und Verfügbarkeit. Bei jüngeren Teilnehmenden entscheiden zudem häufig noch die Eltern mit.

Fleisch gehört dazu

Beim Fleischkonsum unterscheiden sich die Ergebnisse je nach Studie und Abgrenzung der Altersgruppen. In einem Punkt weisen sie jedoch in dieselbe Richtung: Für die Mehrheit junger Menschen gehört Fleisch weiterhin zur Ernährung.

Laut der Civey-Umfrage im Auftrag des ZDG ernähren sich 83 Prozent der 16- bis 29-Jährigen zumindest teilweise fleischbasiert, nur 11 Prozent geben an, vegetarisch oder vegan zu leben. Bei der bevorzugten Fleischsorte liegt Geflügel mit 52 Prozent klar vorn, vor Rind mit 23 Prozent und Schwein mit 15 Prozent.

Wolfgang Schleicher, Geschäftsführer des ZDG, sieht darin eine Korrektur verbreiteter Vorstellungen über die Ernährung junger Menschen: „Die Umfrage räumt auch mit dem Mythos einer überwiegend veganen oder vegetarisch lebenden Generation Z auf: Diese oft zu lesende Wahrnehmung ist falsch. Fleisch ist auch in der Gen Z Mainstream.“

Nach YouGov-Daten von März 2026 denkt mehr als die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen darüber nach, den eigenen Konsum von Fleisch- und Milchprodukten zu reduzieren, deutlich mehr als im Bevölkerungsdurchschnitt. Zugleich zeigt sich eine Lücke zwischen Einstellung und tatsächlichem Verhalten: Der Anteil vegetarisch oder vegan lebender junger Menschen ist seit 2018 kaum gewachsen. Auch die Nestlé-Studie „So is(s)t Deutschland 2024“ bestätigt diesen Befund, wonach in der Generation Z zwar steigende Anteile an Flexitariern zu beobachten sind, gleichzeitig aber ein beständiger Anteil an Fleischessern bestehen bleibt.

Eine Analyse der Fachzeitschrift Ernährungs Umschau hat die sozialen Unterschiede in der nachhaltigen Ernährung junger Menschen untersucht. Demnach wächst mit steigendem Bildungsgrad das Bewusstsein für umweltbewusste Ernährung deutlich. Auch beim Geschlecht zeigen sich klare Unterschiede. Frauen verzichten häufiger auf Fleisch als Männer, das bestätigt die Studie im Einklang mit früherer Forschung. Gleichzeitig verweist die Studie auf Vorforschung, wonach sich rund 14 Prozent der 14- bis 29-Jährigen vegetarisch oder vegan ernähren, etwa doppelt so viele wie in der Gesamtbevölkerung, dieselbe Altersgruppe aber zugleich mit 26 Prozent den größten Bevölkerungsanteil stellt, der mehrmals täglich Fleisch oder Wurst isst.

Die Befunde zeigen damit vor allem, dass es auch beim Fleischkonsum keine einheitliche Gen Z gibt. Ernährungsweisen und Einstellungen unterscheiden sich unter anderem nach Bildung, Geschlecht und sozialem Hintergrund.

Zwei junge Menschen bereiten gemeinsam in der Küche Spaghetti mit Tomatensauce und Parmesan zuQuelle: Seventyfour / AdobeStock

Protein wird zum wichtigen Ernährungsthema

Ein besonders sichtbarer Ernährungstrend unter jungen Konsumenten ist Protein. Nach der Civey-Umfrage im Auftrag des ZDG ist gut sieben von zehn befragten 16- bis 29-Jährigen eine ausreichende Proteinzufuhr wichtig, unabhängig davon, ob sie sich fleischbasiert, flexitarisch, vegetarisch oder vegan ernähren. Als bevorzugte Proteinquellen nennen die Befragten am häufigsten Eier und Geflügelfleisch, gefolgt unter anderem von Milchprodukten, Proteinpulver, Rindfleisch und Fisch.

Dass Protein auch im Lebensmittelmarkt an Bedeutung gewonnen hat, zeigen aktuelle YouGov-Daten. Demnach wächst der High-Protein-Trend aktuell um 39,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders hoch ist die Nachfrage bei jüngeren Konsumenten. 75 Prozent der Gen Z geben an, Lebensmittel zu kaufen, die mit entsprechenden Proteinangaben vermarktet werden. Zum Vergleich: Bei den Babyboomern sind es 28 Prozent.

Das von YouGov erfasste Segment der Muskelaufbaupulver wuchs im Zwölfmonatszeitraum bis Mai 2026 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 112 Prozent. Die Zahlen zeigen, dass Protein längst nicht mehr nur im klassischen Fitnessumfeld eine Rolle spielt. Für einen Teil der jungen Konsumenten ist der Nährstoff zu einem sichtbaren Kriterium bei der Lebensmittelauswahl geworden. Welche Proteinquelle gewählt wird, bleibt dabei individuell und reicht von klassischen Lebensmitteln bis zu speziell als proteinreich vermarkteten Produkten.

Preisbewusstsein bleibt zentral

Die PwC-Studie „Voice of the Consumer 2025“ zeigt die hohe Bedeutung des Preises beim Lebensmitteleinkauf. Er wurde mit 61 Prozent am häufigsten als Auswahlkriterium genannt, deutlich vor dem Produktgeschmack mit 52 Prozent und dem Vertrauen in eine Marke mit 31 Prozent. Um steigenden Lebensmittelpreisen zu begegnen, greifen die Befragten verstärkt zu Coupons und Sonderangeboten, 59 Prozent nutzen diese regelmäßiger, 57 Prozent wechseln zu Discount- oder Eigenmarken. Hintergrund ist eine spürbare finanzielle Unsicherheit.

Auch bei den 18- bis 27-Jährigen der Gen Z bleibt der Preis ein wichtiger Faktor, zugleich zeigen sich eigene Schwerpunkte. Für 24 Prozent ist beim Lebensmitteleinkauf ein hoher Nährstoffgehalt wichtig, gegenüber 16 Prozent im Bevölkerungsdurchschnitt. Preisbewusstsein und die Orientierung an Nährwerten stehen für einen Teil der jungen Konsumenten damit nebeneinander.

Zwei junge Frauen lesen gemeinsam die Nährwertangaben auf einer Milchverpackung im SupermarktQuelle: sementsova321 / AdobeStock

Zwischen Herd und Feed

Essen findet für die Gen Z nicht nur am Tisch statt. Es wird online gesucht, bewertet, fotografiert, geteilt und kommentiert. Fast zwei von fünf Befragten der Civey-Studie veröffentlichen mindestens wöchentlich Inhalte über ihr Essen in sozialen Netzwerken. Jede fünfte Person tut dies sogar täglich. Als Gründe spielen vor allem die Optik des Essens, Erinnerungen, besondere Momente und gemeinschaftliche Erlebnisse eine Rolle. Aufmerksamkeit allein ist nicht das dominante Motiv.

Auch bei der Informationssuche verschieben sich die Gewichte. 39 Prozent der von Civey Befragten recherchieren aktiv im Internet nach Inspiration oder Orientierung rund ums Essen. Jeweils 26 Prozent nutzen Social-Media-Trends beziehungsweise KI-Anwendungen, 25 Prozent Influencer und Content Creator und 21 Prozent Ernährungs-Apps oder Tracker.

Die SINUS-Untersuchung bestätigt die Bedeutung digitaler Kanäle, liefert aber eine wichtige Ergänzung. Digitale Medien werden besonders häufig als Informationsquellen genutzt, doch fachbezogene Institutionen und persönliche Kontakte genießen mehr Vertrauen als Beiträge im Internet und in sozialen Medien.

Die SINUS-Studie kommt entsprechend zu dem Schluss, dass Ernährungsinformationen möglichst niedrigschwellig aufbereitet werden sollten: kurz, einfach und bevorzugt als Video. Gerade jüngere Menschen erwarten zugleich anregende, unterhaltende und wissenschaftlich fundierte Inhalte in sozialen Medien.

Hoher Anspruch, spürbarer Druck

Die Vielzahl an Ernährungsinformationen und Ansprüchen bleibt für junge Menschen allerdings nicht ohne Spannungen. Mehrere Studien weisen auf eine psychologische Dimension hin. Die Nestlé-Studie zeigt, dass 78 Prozent der Generation Z der Aussage zustimmen, sie sollten sich gesünder ernähren, mehr als die Hälfte befürchtet, häufiger mehr zu essen, als guttut. 61 Prozent geben an, dass ihnen oft die Zeit fehlt, sich so zu ernähren, wie sie es sich eigentlich wünschen, nahezu doppelt so viele wie im Bevölkerungsdurchschnitt.

Snacking während der Mediennutzung, das laut Nestlé-Studie 50 Prozent der Gen Z betrifft, und spätabendliches Essen, das auf 45 Prozent zutrifft, sind in dieser Altersgruppe deutlich verbreiteter als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Vielfalt statt Einheitsgeschmack

Eine forsa-Erhebung im Auftrag des Lebensmittelverbands Deutschland unterstreicht, wie wichtig kulinarische Vielfalt gerade jüngeren Menschen ist. Für 94 Prozent der 18- bis 29-Jährigen ist Lebensmittelvielfalt persönlich sehr oder eher wichtig. 91 Prozent sind der Ansicht, die Lebensmittelvielfalt in Deutschland spiegele auch die kulturelle Vielfalt wider. 92 Prozent bereitet es sehr oder eher viel Freude, Gerichte aus anderen Ländern und Kulturen auszuprobieren.

Einordnung und Ausblick

Die Ergebnisse relativieren einige gängige Zuschreibungen an die Generation Z. Eine klare Abkehr von Fleisch lässt sich ebenso wenig erkennen wie ein Rückzug aus der eigenen Küche. Selbstkochen und Convenience stehen ebenso nebeneinander wie tierische und pflanzliche Lebensmittel. Gesundheit, Nährstoffe und Protein spielen eine wichtige Rolle, ohne dass Geschmack und Preis an Bedeutung verlieren.

Soziale Medien und KI liefern Inspiration und Orientierung, während persönliche Kontakte und fachliche Institutionen weiterhin besonderes Vertrauen genießen. Statt eines dominierenden Ernährungstrends zeigen die Studien damit vor allem eines: eine große Bandbreite an Ernährungsweisen, Interessen und Einstellungen innerhalb der jungen Generation.

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