Es begann mit Pommes. Dann kamen Hähnchen, Gemüse, Pizza und inzwischen sogar Brot und Muffins. Die Heißluftfritteuse, im Alltag längst als Airfryer bekannt, hat sich in den deutschen Küchen mit einer Geschwindigkeit etabliert, die selbst erfahrene Marktbeobachter überrascht.
Laut dem Marktforschungsunternehmen YouGov verfügen bereits 42 Prozent der Haushalte in Deutschland über ein solches Gerät. Der Marktforscher NIQ zählte im vergangenen Jahr 5,8 Millionen verkaufte Airfryer allein in Deutschland. 2019 waren es noch 1,3 Millionen. Der Onlinehändler Galaxus beziffert den Nachfrageanstieg über vier Jahre auf 630 Prozent.
Was den Airfryer so attraktiv macht
Technisch gesehen ist der Airfryer ein kompakter Umluftofen. Heiße Luft zirkuliert mit hoher Geschwindigkeit im kleinen Garraum, was eine gleichmäßige Bräunung erzeugt. Dabei wird deutlich weniger Fett als in der klassischen Fritteuse verbraucht. Das Gerät heizt zudem schneller auf und hinterlässt keine Fettspritzer in der Küche.
Diese Eigenschaften treffen auf eine Gesellschaft, in der Zeit häufig knapp und Gesundheitsbewusstsein ausgeprägt ist. Franziska Köster vom Bundesverband Technik bringt es gegenüber der dpa auf den Punkt: „Airfryer passen zu einer Lebensrealität, in der viele, vor allem Berufstätige und jüngere Menschen, wenig Zeit haben, aber dennoch selbst kochen möchten.“
Andreas Baetzgen, Marketingprofessor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, sagte der dpa, der Hype sei teilweise überzogen. Der Airfryer sei bequem, aber letztlich ein Komfort-Upgrade. Viele Geräte würden in einigen Jahren im Keller landen, ähnlich wie einst Brotbackautomaten oder Smoothie-Maker. Die Nutzungsdaten sprechen vorerst dagegen: Laut einer Marktforschung von Dr. Oetker verwenden 61 Prozent der Gerätebesitzer ihren Airfryer mindestens einmal pro Woche.
Das perfekte Zusammenspiel: Airfryer und Tiefkühlprodukte
Hersteller reagieren unterschiedlich auf den Trend: Einige passen bestehende Produkte an, andere entwickeln komplett neue Sortimente. Besonders sichtbar wird diese Entwicklung im Bereich der Snacks und Tiefkühlprodukte.
41 Prozent der Menschen in Deutschland bereiten Tiefkühlprodukte bereits im Airfryer zu. Das hat das Deutsche Tiefkühlinstitut in einer repräsentativen Befragung ermittelt. Tiefkühlware kommt direkt aus dem Gefrierfach ins Gerät, braucht meist kein zusätzliches Öl und wird schnell knusprig. Auf der Fachmesse Anuga Frozen Food präsentierten Hersteller im Herbst 2025 gezielt neue, dafür optimierte Produkte: von Pizza über Snacks bis zu Blätterteiggebäck.
Besonders früh und konsequent hat McCain reagiert. Die „Air Fryer Frites“ sind laut Marketing-Managerin Sabine Weber das wachstumsstärkste Produkt im Sortiment und zählen mittlerweile zu den Top-Artikeln. Das Unternehmen will den Bereich weiter ausbauen.
Original Wagner Pizza hat mit dem Air Fryer Snack eine eigene, speziell für die Heißluftfritteuse entwickelte Produktlinie mit vier Sorten eingeführt: von Salami bis Burger Style. Iglo ergänzt sein Sortiment 2026 um Crispy Chicken und kennzeichnet relevante Produkte schrittweise auf der Verpackungsvorderseite. Und das Familienunternehmen Bürger hat gerade Airfryer Snack Balls in vier vegetarischen Varianten auf den Markt gebracht, „gezielt für die schnelle, moderne Zubereitung entwickelt“, wie es heißt.
Gewürze und Würzmischungen für den Airfryer
Der Trend erobert auch das Gewürzregal und stellt dort ganz eigene Anforderungen. Rezepturen müssen an hohe Temperaturen, starke Luftzirkulation und kurze Garzeiten angepasst werden, damit Aromen sich entfalten können, ohne zu verbrennen.
Nestlés Marke Maggi war in diesem Segment ein früher Beweger. Bereits im Sommer 2025 kamen vier Fix-Produkte auf den Markt: von Knusper-Hähnchen bis zum mexikanischen Fajita-Mix. Michael Gassert, Head of Marketing Food DACH bei Nestlé Deutschland, erklärte dazu: „Familien und jüngere Verbraucher bereiten schnelle Gerichte mit der Heißluftfritteuse besonders gerne zu. Wir bieten jetzt die perfekten Inspirationen dafür an und reduzieren den Aufwand.“ Anfang 2026 folgten zwei weitere Sorten: Curry Knusper Hähnchen und Orientalische Wrap-Füllung Kebab-Mix.
Quelle: Nestlé DeutschlandAuch Konkurrent Knorr, eine Marke von Unilever, hat eine eigene Fix-Linie für den Airfryer entwickelt, mit Produkten für Chicken Nuggets, Kartoffelecken, Cheesy Blumenkohl und Hähnchen Döner-Style.
Weitere Hersteller ziehen nach oder bauen ihre Sortimente gezielt aus. Die Fuchs-Gruppe etwa hat unter der Marke Ostmann eine eigene Airfryer-Subkategorie eingeführt, Rila Feinkost-Importe vertreibt entsprechende Gewürze unter der Marke McCormick, und Just Spices bietet seit Kurzem Gemüsepanaden an, die sowohl für die Heißluftfritteuse als auch für den Backofen geeignet sind.
Öl, Backpapier und Co.
Auch angrenzende Warengruppen profitieren vom Airfryer-Trend. Im Ölregal setzen erste Hersteller auf die Eignung für hohe Temperaturen als Kaufargument. Deoleo hat mit dem „Bertolli Air Fryer Olivenöl Spray“ ein Produkt eigens dafür entwickelt und entsprechend im Regal positioniert. Auch Albaöl bietet ein spezielles Airfryer-Spray auf Basis von Sonnenblumen- und Avocadoöl an. Melitta vertreibt unter der Marke Toppits Backpapierzuschnitte für verschiedene Airfryer-Modelle.
Backen im Airfryer
Viele Verbraucher haben die Heißluftfritteuse zunächst für herzhafte Gerichte entdeckt und nutzen sie zunehmend auch zum Backen. Dr. Oetker hat das systematisch untersucht: Die eigene Airfryer-Backstudie 2026, durchgeführt mit mehr als 2.000 Befragten, zeigt, dass bereits 36 Prozent der Airfryer-Nutzer das Gerät zum Backen verwenden.
Quelle: ThachThi / Adobe StockDas Unternehmen reagierte auf den Trend mit einem speziell angepassten Backpulver, das auf kürzere Backzeiten ausgelegt ist. Die Rezeptur sorgt dafür, dass Teige zuverlässig aufgehen und lockere Ergebnisse liefern.
Ab Mai 2026 erweitert Dr. Oetker das Sortiment um Churro Bites, eine Backmischung für die Zubereitung im Airfryer. Darüber hinaus kennzeichnet das Unternehmen bestehende Backmischungen wie Muffins oder Cookies zunehmend mit entsprechenden Hinweisen auf der Verpackung.
Auch Backwarenhersteller richten ihre Produktentwicklung darauf aus. So hat etwa Sinnack Weizen-Brötchen auf den Markt gebracht, die innerhalb weniger Minuten im Airfryer fertig sind. Möglich wird das durch eine angepasste Teigstruktur. Der Ansatz richtet sich bewusst an jüngere Zielgruppen, kleinere Haushalte und Konsumenten, die den klassischen Backofen nur noch selten nutzen.
Auch im Brotregal ist der Airfryer angekommen. Harry Brot bringt im Mai 2026 zwei Sorten Airfryer-Brot auf den Markt: ein mildes Weizenbrot und eine kernige Variante mit Leinsamen und Haferflocken. Beide Laibe sind auf gängige Airfryer-Größen abgestimmt und liefern ohne Vorheizen in sechs bis acht Minuten eine knusprige Kruste, ermöglicht durch eine eigens angepasste Teigstruktur. Marketingleiterin Katharina Frerichs sagt: „Mit der Airfryer-Range übertragen wir ein etabliertes Zubereitungsprinzip konsequent auf den Brotbereich. Damit schaffen wir eine neue Nutzungssituation und bieten dem Handel zusätzliche Impulse im Regal.“
Social Media als Treiber
Der Airfryer ist auch ein Phänomen der sozialen Medien. Auf TikTok und Instagram werden Rezepte, Hacks und Produktvorstellungen rund um die Heißluftfritteuse millionenfach aufgerufen. Laut einer Galaxus-Analyse ist ein Drittel der Käufer unter 35 Jahre alt, eine Altersgruppe, die sich stark über soziale Plattformen inspirieren lässt.
Lebensmittelhersteller nutzen diesen Kanal gezielt: Maggi begleitet Produktlaunches mit Influencer-Kampagnen, Dr. Oetker stellt Airfryer-Rezepte auf seinen digitalen Kanälen zur Verfügung und auch Harry-Brot begleitet den Launch seiner neuen Produkte mit Social-Media-Maßnahmen und Kooperationen.
Weniger als ein Prozent und viel Raum nach oben
So weit die Entwicklung vorangeschritten ist – gemessen am Potenzial steht sie noch am Anfang. Laut Hannah Sandow, Director of Insights bei Mintel Food & Drink Germany, bewerben derzeit weniger als ein Prozent aller im Handel erhältlichen Produkte explizit ihre Airfryer-Eignung.
Sandow sieht vor allem bei Backmischungen, Fleischersatzprodukten, Fertiggerichten und vorportionierten Tiefkühlwaren noch erhebliche Innovationspotenziale. Die Zielgruppe wächst: Bei den 25- bis 34-Jährigen liegt die Nutzungsrate bereits bei 55 Prozent, jeder Fünfte dieser Altersgruppe plant den Kauf eines Airfryers innerhalb der nächsten zwölf Monate. Der Markt für spezifische Lebensmittelprodukte ist jung. Laut YouGov wurden 2025 rund 18 Millionen Euro damit umgesetzt, bei einem Gesamtmarkt für die Geräte selbst von 630 Millionen Euro laut NIQ.
Der Airfryer zeigt exemplarisch, wie aus einem neuen Küchengerät ein Impulsgeber für eine ganze Branche werden kann. Die Lebensmittelhersteller prägen den Trend aktiv mit Produkten, die sich an neue Zubereitungsrealitäten anpassen und an Geräte, die hier den Takt vorgeben. Man darf gespannt sein, welche Dynamik daraus noch entsteht.

