Quelle: BVEBitte um fachlichen Austausch zur Zukunft der Lebensmittellogistik
Sehr geehrter Herr Bundesminister Bilger,
die aktuellen Herausforderungen in der Lebensmittellogistik, zuletzt verschärft durch niedrige Pegelstände auf Deutschlands Wasserstraßen und den Ausfall von Brücken, möchten die unterzeichnenden Verbände aus der Ernährungsindustrie zum Anlass nehmen, Sie zu einem fachlichen Austausch über die Zukunft der Lebensmittellogistik einzuladen.
Rund 6.100 vornehmlich mittelständische Unternehmen leisten tagtäglich einen entscheidenden Beitrag zur Versorgung von rund 84 Millionen Menschen mit sicheren und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und Getränken. Dafür sind leistungsfähige und bezahlbare Lieferketten unverzichtbar. Aufgrund spezifischer Anforderungen an den Transport von Agrargütern und Lebensmitteln, insbesondere auch für viele Produzenten in den ländlichen Regionen, erfolgt ein Großteil der Transporte über die Straße. Diese wird auch langfristig für die Branche der relevanteste Verkehrsträger bleiben.
Die Entwicklung der Dieselkosten, eine Verdoppelung der Mautgebühr im Jahr 2023, 70.000 fehlende Berufskraftfahrer, langwierige Baustellen sowie fehlende Kapazitäten auf der Schiene stellen Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Eine Befragung in der Branche zeigt, dass insbesondere in Ausnahmesituationen kurzfristig häufig nicht mehr ausreichend Transportkapazitäten zur Verfügung stehen und diese dann sehr teuer erkauft werden müssen. Eine Verlagerung zwischen den Verkehrsträgern ist vielfach nicht ohne weiteres möglich.
Um die stark gestiegenen Kosten für die Lebensmittelproduktion in Deutschland zu senken, muss langfristig ein finanzierbarer Transport von Agrarrohstoffen sowie verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken sichergestellt werden. Hierzu beitragen könnten eine größere Flexibilität im Straßengüterverkehr, etwa durch eine Anhebung des zulässigen Gesamtgewichts von 40 auf 44 Tonnen (wie im kombinierten Verkehr mit Seefracht bereits zulässig), eine gezielte Entlastung bei den Mautkosten für Transporte der Ernährungsindustrie sowie politische Maßnahmen zur Gewinnung von Berufskraftfahrern. Die Vermeidung von Staus im Straßenverkehr durch eine zügigere Durchführung von Straßenbauarbeiten kann zusätzlich zu wesentlichen Zeitersparnissen führen. Ebenso braucht es eine bessere Abstimmung zwischen den Verkehrsträgern, insbesondere bei Sanierungsprojekten. Investitionen in einen Verkehrsträger dürfen jedoch nicht zulasten anderer gehen.
Sehr geehrter Herr Bundesminister, gerne möchten wir diese Ansätze mit Ihnen persönlich erörtern und gemeinsam überlegen, welche kurzfristige Maßnahmen und mittelfristige Weichenstellungen die Lebensmittellogistik nachhaltig stärken können. Darüber hinaus regen wir an, den regelmäßigen Austausch zwischen den Verbänden und Unternehmen des aktuell drittgrößten Industriezweiges in Deutschland und Ihrem Hause zu intensivieren und zu verstetigen.
Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e. V. (BVE)
Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI)
Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e. V. (BDSI)
Bundesverband Deutscher Wurst- & Schinkenproduzenten e. V. (BVWS)
Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie e. V. (BOGK)
Deutscher Brauer-Bund e. V. (DBB)
Deutscher Verband der Hefeindustrie e. V.
Fachverband der Gewürzindustrie e. V.
Kulinaria Deutschland e. V.
Private Mills Germany e. V. (PMG)
Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. (VdF)
Verband der Fleischwirtschaft e. V. (VDF)
Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft e. V. (VGMS)
Verband der ölsaatverarbeitenden Industrie in Deutschland e. V. (OVID)
Verband Deutscher Großbäckereien e. V. (VDG)
Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG)
