Sinkende Umsätze: Ernährungsindustrie zieht negative Halbjahresbilanz 2026

Mehrere rohe Fleischwürste liegen dicht nebeneinander in einer Verpackungsschale. Das Bild zeigt unverarbeitete Würstchen, die für die weitere Verarbeitung oder Verpackung in der Fleischwarenindustrie vorbereitet sind.Quelle: AdobeStock_137596160

Die deutsche Ernährungsindustrie steht weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Im ersten Halbjahr 2026 gingen die Umsätze der Branche um 2,3 Prozent zurück. Sinkende Verkaufspreise treffen auf anhaltend hohe Produktions- und Standortkosten und belasten zunehmend die Ertragslage der Unternehmen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) fordert deshalb eine deutliche Verbesserung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche langfristig zu sichern.

Sinkende Verkaufspreise belasten die Ertragslage

Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete die deutsche Ernährungsindustrie einen Umsatz von 115,8 Milliarden Euro und damit rund 2,7 Milliarden Euro weniger als im Vorjahreszeitraum. Während die Inlandsumsätze um 2,4 Prozent zurückgingen, sanken die Auslandsumsätze um 2,1 Prozent.

Dabei entwickelte sich der Absatz mit plus 0,9 Prozent leicht positiv, wobei das Bild zweigeteilt war: Im Inland blieb die abgesetzte Menge mit einem Rückgang von 0,1 Prozent nahezu unverändert, während sie im Ausland um 2,5 Prozent zunahm. Die rückläufigen Umsätze sind somit vor allem auf gesunkene Verkaufspreise zurückzuführen. Im Inland reduzierten sich diese um 2,3 Prozent, im Ausland sogar um 4,5 Prozent.

Die Unternehmen müssen in einem von Kaufzurückhaltung und intensivem Preiswettbewerb geprägten Marktumfeld deutliche Preisabschläge hinnehmen, um ihre Waren in einer ähnlichen Menge veräußern zu können. Gleichzeitig bleiben die Kosten für Energie, Personal und Produktion auf einem hohen Niveau. Die Folge ist ein zunehmender Druck auf die Gewinnmargen, der die finanziellen Spielräume für Investitionen und Modernisierungen einschränkt.

Langfristiger Rückgang der heimischen Produktion

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt zudem, vor welchen strukturellen Herausforderungen die Ernährungsindustrie steht. So weist die heimische Lebensmittelproduktion über die vergangenen zehn Jahre einen rückläufigen Trend auf. Der Produktionsindex, welcher die (reale) Produktionsleistung abbildet, befindet sich in den letzten 10 Jahren in einem negativen Trend. Die Entwicklung unterstreicht die Bedeutung wettbewerbsfähiger Standortbedingungen, damit Lebensmittel auch künftig wirtschaftlich in Deutschland produziert werden können.

„Die aktuellen Zahlen zeichnen ein beunruhigendes Bild: Wir produzieren auf lange Sicht immer weniger in Deutschland, und in den vergangenen sechs Monaten sanken die Umsätze merklich. Diese Kombination aus schrumpfender Inlandsproduktion und akuten Umsatzeinbußen geht zunehmend an die wirtschaftliche Substanz der Betriebe. Neue Belastungen und Abgaben sind da genau der falsche Weg. Ohne einen deutlichen Abbau von Bürokratie und international wettbewerbsfähige Produktionskosten werden wir weiter an essenzieller Wertschöpfung im eigenen Land verlieren“, erklärt Marcel Winter, Leiter des Brüsseler Büros von der BVE und Verantwortlicher für Marktdaten und Konjunktur.

BVE fordert bessere Standortbedingungen

Aus Sicht der BVE ist die Politik daher gefordert, die Wettbewerbsfähigkeit der Ernährungsindustrie konsequent zu stärken. Neben einer dauerhaften Entlastung bei Energie- und Standortkosten sind insbesondere der Abbau bürokratischer und regulatorischer Belastungen sowie der Verzicht auf zusätzliche steuerliche Belastungen notwendig. Nur wenn sich Produktion und Investitionen in Deutschland langfristig rechnen, können Wertschöpfung und Arbeitsplätze am Standort gesichert werden.

Die vollständige Halbjahresbilanz der Ernährungsindustrie 1/2026 finden Sie hier.

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