Der Tiefkühlmarkt erreicht neue Höchststände

Der deutsche Tiefkühlmarkt knackt neue Bestwerte bei Menge, Umsatz und Pro-Kopf-Verbrauch. Fast 52 Kilogrammverspeist jeder Deutsche pro Jahr. Obst, Fertiggerichte und Backwaren legen deutlich zu, während Pizza und Kartoffelprodukte unter Preis- und Wettbewerbsdruck geraten. Zugleich verändern Handelsmarken, Aktionen und der Airfryer den Markt.

Eine Kundin wählt in einem Supermarkt ein Produkt aus einem geöffneten Tiefkühlschrank. In der Hand hält sie einen roten Einkaufskorb.Quelle: bodnarphoto / Adobe Stock

Eine Pizza aus dem Ofen, Pommes aus dem Airfryer, ein Beutel Gemüse für die schnelle Pfanne am Feierabend: Tiefkühlkost ist fest im Ernährungsalltag verankert. Die Nachfrage wächst, im Supermarktregal genauso wie in Kantinen, Restaurants und der Gemeinschaftsverpflegung. Doch nicht alle Warengruppen profitieren gleichermaßen.

Nach einer Auswertung des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ, über die die Lebensmittel Zeitung berichtet, stieg der Umsatz mit Tiefkühlkost im klassischen Lebensmitteleinzelhandel und Discount in den zwölf Monaten bis Ende Juni 2026 um 4,7 Prozent auf rund 9,2 Milliarden Euro. Die verkaufte Menge nahm um 2,6 Prozent zu.

Die Durchschnittspreise lagen im betrachteten Zeitraum knapp zwei Prozent über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig wurde mehr als ein Viertel des Umsatzes mit Aktionsware erzielt. Das Wachstum beruhte damit sowohl auf Preis- als auch auf Mengeneffekten.

Absatz, Umsatz und Verbrauch steigen

Ein umfassenderes Bild des deutschen Tiefkühlmarktes liefert die Absatzstatistik des Deutschen Tiefkühlinstituts. Sie berücksichtigt neben Lebensmitteleinzelhandel und Heimdiensten auch Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung.

Nach Angaben des Deutschen Tiefkühlinstituts stieg der Gesamtabsatz von Tiefkühlprodukten 2025 gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent auf 4,238 Millionen Tonnen. Der Umsatz kletterte deutlich stärker, um 4,5 Prozent auf 23,612 Milliarden Euro. Das nominale Umsatzwachstum lag damit über dem Mengenwachstum. Nach Angaben des dti wirkten sich unter anderem höhere Kosten für Energie, Verpackungen, Rohstoffe und Löhne auf die Umsatzentwicklung aus.

Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Pro-Kopf-Verbrauch. 51,6 Kilogramm Tiefkühlkost verputzte jeder Mensch in Deutschland 2025 im Schnitt. Das sind 103,8 Kilogramm pro Haushalt und damit ein neuer Höchststand. Nach dem YouGov Shopper Panel gehörten 2024 rund 96 Prozent der Haushalte zu den Käufern von Tiefkühlprodukten.

Tiefkühlobst wächst besonders stark

Besonders dynamisch entwickelte sich Tiefkühlobst. Nach Angaben von NielsenIQ stieg der Umsatz um 40 Prozent. Die verkaufte Menge nahm trotz höherer regulärer Preise um 8,1 Prozent zu. Dieses Wachstum lässt sich unter anderem mit dem Interesse an ausgewogener Ernährung, Smoothies und flexibler Portionierung erklären. Gemessen am gesamten Tiefkühlmarkt bleibt das Obst-Segment jedoch vergleichsweise klein.

Auch Tiefkühlfertiggerichte entwickelten sich deutlich positiv. Ihr Umsatz wuchs um 13,4 Prozent, die Absatzmenge um 9,4 Prozent. Neben höheren Basispreisen trugen Verkaufsaktionen zum Wachstum bei. Der Anteil des Aktionsgeschäfts lag in dieser Warengruppe bei 28 Prozent.

Tiefkühlbackwaren machen Menge

Bei tiefgekühlten Brot- und Backwaren stieg die verkaufte Menge laut NielsenIQ um 13 Prozent. Der Umsatz wuchs dagegen lediglich um vier Prozent. Neben größeren Packungen und einer höheren Aktionsintensität wirkten sich sinkende Kilopreise auf die Umsatzentwicklung aus.

Tiefgekühlte Backwaren profitieren von ihrer flexiblen Verwendung. Haushalte können nur die benötigte Menge aufbacken. Brötchen oder Brot sind damit kurzfristig verfügbar, ohne dass die gesamte Packung verbraucht werden muss. Besonders für kleinere Haushalte kann diese Portionierbarkeit interessant sein.

Tiefkühlpizza unter hohem Aktionsdruck

Schwächer verlief das Geschäft mit Tiefkühlpizza. Das größte Einzelsegment der Tiefkühlabteilung verlor nach Angaben von NielsenIQ 1,9 Prozent an Umsatz. Auffällig ist die hohe Bedeutung von Sonderangeboten. Inzwischen entfallen 41 Prozent des Umsatzes mit Tiefkühlpizza auf Aktionen, ein Zeichen für harten Wettbewerb im Regal.

Verkaufsaktionen können kurzfristig zusätzliche Nachfrage erzeugen. Eine dauerhaft hohe Aktionsintensität erhöht jedoch den Druck auf Preise und Margen.

Belegte Pizza mit Tomaten, Pilzen, Schinken und Käse auf einem Backblech im geöffneten Backofen.Quelle: OlegDoroshin / AdobeStock

Auch bei tiefgekühlten Kartoffelprodukten gingen die Umsätze zurück. Trotz eines Mengenwachstums von 2,2 Prozent sank der Umsatz um 3,8 Prozent. Nach der NIQ-Analyse waren vor allem niedrigere Preise und eine höhere Aktionsintensität dafür verantwortlich.

Tiefkühlfisch erzielte im betrachteten Zeitraum einen Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um zwei Prozent, die verkaufte Menge um 1,2 Prozent.  

Separat betrachtete NielsenIQ auch den Markt für Speiseeis. Dessen Gesamtumsatz blieb nahezu stabil. Innerhalb der Kategorie gewannen jedoch Frozen Yoghurt und Sorbets an Bedeutung, bei den Sorten liefen Pistazie und Mango besonders stark.

Handelsmarken wachsen stärker

Auch zwischen den Vertriebskanälen zeigen sich Unterschiede. Im klassischen Lebensmitteleinzelhandel stieg der Umsatz mit Tiefkühlprodukten insgesamt um 6,1 Prozent, die verkaufte Menge um 4,1 Prozent. Besonders stark trugen Tiefkühlbackwaren, Tiefkühlfrüchte und Fertiggerichte zum Wachstum bei. Im Discount nahm der Umsatz mit Tiefkühlprodukten um drei Prozent zu, die Menge um 0,9 Prozent.

Handelsmarken entwickelten sich im betrachteten Zeitraum etwas dynamischer als Markenprodukte. Ihr Umsatz stieg um 5,8 Prozent. Markenprodukte kamen auf ein Plus von 3,5 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf die von NielsenIQ erfasste Tiefkühlkategorie im klassischen Lebensmitteleinzelhandel und Discount in den zwölf Monaten bis Ende Juni 2026.

Diese Entwicklung deutet auf die hohe Preissensibilität vieler Haushalte hin. Sie bedeutet jedoch nicht, dass Markenprodukte grundsätzlich an Bedeutung verlieren. Bei Tiefkühlfertiggerichten verzeichneten auch Marken ein deutliches Mengen- und Umsatzwachstum.

Der Airfryer schreibt die Regeln neu

Kaum ein Küchengerät hat die Tiefkühlabteilung zuletzt so verändert wie die Heißluftfritteuse. 41 Prozent der Menschen in Deutschland bereiten Tiefkühlprodukte inzwischen im Airfryer zu, so das TK-Trendbarometer 2025 des dti. Die Tiefkühlware kommt direkt aus dem Gefrierfach ins Gerät, braucht meist kein zusätzliches Öl und wird schnell knusprig. Die Hersteller reagieren mit gezielt neuen oder für den Airfryer optimierten Produkten oder eigenen Zubereitungshinweisen.

Geöffnete gelbe Heißluftfritteuse mit einem Korb voller goldbrauner Pommes frites auf einer Arbeitsfläche.Quelle: New Africa / Adobe Stock

Besonders deutlich wird diese Entwicklung bei Tiefkühlpommes. Im rollierenden Jahr bis Ende Juni 2026 wurden damit rund 458 Millionen Euro umgesetzt. Der Umsatz lag 3,6 Prozent unter dem Wert der zwölf Monaten bis Ende Juni 2025. Nach Einschätzung der NIQ Analystin Sabrina Ströber waren dafür vor allem gesunkene Preise bei Handelsmarken verantwortlich. Die verkaufte Menge stieg im selben Vergleichszeitraum um 2,3 Prozent. Rewe bezeichnet Airfryer Pommes laut Lebensmittel Zeitung als besonders gefragtes Produkt und wichtigen Wachstumstreiber im eigenen Sortiment.

Das Sortiment differenziert sich dabei immer weiter aus. McCain setzt bei seiner Max Crunch Range auf einen Doppel-Knuspermantel, andere Hersteller übertragen Gastronomie-Rezepturen ins Tiefkühlfach, etwa würzige Varianten oder ungewöhnliche Schnittformen wie Crinkle Cut und Julienne. Auch Süßkartoffel-Pommes gewinnen an Boden, bleiben aber ein kleines Teilsegment.

Eine Unsicherheit bleibt für den Herbst. Wegen des trockenen Sommers rechnen erste Hersteller mit kleineren Kartoffeln und kürzeren Pommes. Der Rohstoffdruck könnte zudem die Preise beeinflussen.

Tiefkühlkost im Außer-Haus-Markt

Mehr als die Hälfte des gesamten Tiefkühlabsatzes entfällt auf den Außer-Haus-Markt. Im Jahr 2025 wurden dort nach Angaben des Deutschen Tiefkühlinstituts 2,168 Millionen Tonnen abgesetzt. Der Umsatz erreichte 11,3 Milliarden Euro.

In Gastronomie, Kantinen, Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kindertagesstätten erfüllen Tiefkühlprodukte eine andere Funktion als im privaten Haushalt. Dort geht es besonders um planbare Mengen, standardisierte Qualität, flexible Portionierung und einen geringeren Vorbereitungsaufwand.

In vielen professionellen Küchen fehlt Personal. Tiefkühlprodukte können dort Arbeitsschritte vereinfachen und für besser planbare Abläufe sorgen. Wenn Küchen mit weniger Personal eine gleichbleibende Zahl von Mahlzeiten herstellen müssen, werden Lebensmittel mit unterschiedlichen Convenience-Graden wichtiger. Sie können einzelne Arbeitsschritte erleichtern, ohne den Küchen die Entscheidung über Rezeptur, Zusammenstellung und Zubereitung abzunehmen.

Besonders dynamisch entwickelten sich 2025 im Außer-Haus-Markt Tiefkühlsnacks mit einem Absatzplus von 14,7 Prozent. Auch Pizza, pflanzenbasierte Alternativprodukte und das Segment „Fix und Fertig“ legten zu.

Bunte tiefgekühlte Gemüsemischung mit Nudeln, Paprika, Möhren und Pilzen in einer schwarzen Pfanne.Quelle: bettina sampl / Adobe Stock

Weniger Verluste, effizientere Kühlung

Tiefkühlprodukte können dazu beitragen, Lebensmittelverluste zu vermeiden. Nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat fielen 2023 in Deutschland rund 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. 58 Prozent davon entstanden in privaten Haushalten. Das entspricht durchschnittlich 74,5 Kilogramm pro Person. Tiefgekühlte Lebensmittel sind lange haltbar und lassen sich bedarfsgerecht entnehmen. Besonders bei Obst, Gemüse, Kräutern und Backwaren kann das helfen, nur die tatsächlich benötigte Menge zu verwenden. Voraussetzung dafür sind eine verlässliche Kühlkette und eine gute Vorratsplanung.

Für die Unternehmen gewinnt zugleich eine energieeffiziente Kühlung an Bedeutung. Die europäische F-Gas-Verordnung beschleunigt den Wechsel zu Kältemitteln mit geringerer Klimawirkung. Die Verpackungsverordnung PPWR stellt zusätzliche Anforderungen an Materialeinsatz und Recyclingfähigkeit.

Branchenprojekte prüfen außerdem, ob etwas höhere Lagertemperaturen Energie sparen könnten, ohne Sicherheit und Qualität zu beeinträchtigen. Eine mögliche Anpassung müsste wissenschaftlich geprüft und entlang der gesamten Tiefkühlkette abgestimmt werden.

Der Tiefkühlmarkt wächst mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten

Der deutsche Tiefkühlmarkt wächst, aber nicht alle Segmente bewegen sich in dieselbe Richtung. Tiefkühlfrüchte, Fertiggerichte und Backwaren profitieren. Bei Pizza und Kartoffelprodukten erhöhen Aktionen und Handelsmarken den Preis- und Wettbewerbsdruck. Der Airfryer schafft neue Produktkonzepte und zusätzliche Qualitätsmerkmale.

Im Außer-Haus-Markt dürften vor allem modulare Komponenten und Lösungen für Gemeinschaftsverpflegung an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig bleiben Energie-, Lohn- und Rohstoffkosten sowie regulatorische Anforderungen bei Verpackung und Kältetechnik zentrale Herausforderungen, denen die Branche mit Investitionen in Effizienz, Qualität und transparente Lieferketten begegnet. Der Trend zeigt, dass Tiefkühlkost in Deutschland ihren festen Platz im Ernährungsalltag weiter ausbaut. Die Kategorie verbindet heute Grundzutaten, vollständige Mahlzeiten, Snacks und zahlreiche Angebote für professionelle Küchen.

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