Essen im Jahr 2040: Die KI darf mitplanen, der Geschmack entscheidet

Jeder Dritte kann sich einen Gesundheitscheck im Supermarkt vorstellen, fast jeder Zweite würde sich beim Essen von einer KI beraten lassen. Zwei Drittel rechnen damit, dass der Klimawandel Lebensmittel knapper und teurer macht. Die Deutschen stellen sich auf vieles ein. Eines aber bleibt ihnen besonders wichtig: Essen soll schmecken und Menschen zusammenbringen. Die neue Zukunftsstudie von Nestlé zeigt, wie Deutschland 2040 essen will.

Eine menschliche Hand und eine Roboterhand halten gemeinsam einen Müsliriegel in transparenter Verpackung.Quelle: Nestlé Deutschland

Der Kühlschrank meldet, dass der Joghurt zur Neige geht. Die App kennt die Blutwerte vom letzten Check-up und schlägt ein Abendessen vor. Der Einkauf ist bestellt, bevor man darüber nachgedacht hat. Für viele Menschen in Deutschland ist das ein denkbares Bild der kommenden anderthalb Jahrzehnte. Am liebsten sitzen sie dann trotzdem mit Familie oder Freunden am Tisch.

Die Studie „Wie is(s)t Deutschland 2040?“ zeigt, welche Entwicklungen viele für plausibel halten und wo sie Grenzen ziehen. Für die Untersuchung entwickelte Nestlé gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen Bonsai Research und dem Zukunftsforscher Peter Wippermann fünf mögliche Zukunftsbilder, die parallel existieren können. Eingeflossen ist die Einschätzung von 14 Fachleuten. Anschließend bewerteten 1.581 Menschen in Deutschland die Szenarien in einer repräsentativen Onlinebefragung im April 2026.

„Auf der einen Seite sehen wir hyperpersonalisierte, bequeme Ernährung, die mir Sicherheit und Einfachheit verspricht. Auf der anderen Seite eine bewusste Rückbewegung: selbst kochen, historische Gerichte, Retro-Trends“, sagt Wippermann. Dazwischen werde sich der Alltag 2040 einpendeln.

Fünf Zukunftsbilder, keine Prognose

Die Szenarien sind keine Vorhersagen. Sie beschreiben unterschiedliche Ernährungswelten, die 2040 nebeneinander bestehen können und je nach Lebenssituation unterschiedlich stark ins Gewicht fallen.

Im Zukunftsbild „Genuss & Gemeinschaft“ bleibt Essen vor allem ein soziales Erlebnis. Frisch zubereitete Mahlzeiten und hochwertige Lebensmittel stehen im Mittelpunkt, Technologie liefert Anregungen. „Preventive Health“ beschreibt eine Welt, in der Verbraucher ihre Ernährung gezielt an Gesundheitsdaten und Vorsorgeuntersuchungen ausrichten. Im Szenario „Klimarealismus“ prägen Extremwetter und knappe Ressourcen den Alltag, pflanzliche und alternative Produkte gewinnen an Bedeutung.

Zwei Zukunftsbilder setzen noch stärker auf Technik. In „Seamless Convenience“ übernimmt KI den Einkauf weitgehend, Ernährung soll vor allem schnell und ohne Aufwand funktionieren. Bei „Bio-Hacking“ wird die Ernährung auf Basis ständig erfasster Körperdaten hyperpersonalisiert und weitgehend von KI gesteuert. 63 Prozent halten dieses Zukunftsbild für fortschrittlich. Zugleich wirft es die Frage auf, wie viel Kontrolle Menschen über ihre Ernährungsentscheidungen behalten möchten.

Allen fünf Bildern liegen dieselben drei Treiber zugrunde: Klimawandel, Gesundheitsvorsorge und Künstliche Intelligenz. Sie unterscheiden sich darin, wie stark diese Kräfte wirken und wie die Menschen darauf reagieren.

Der Klimawandel verändert, was im Einkaufswagen landet

Die Sorge um verfügbare und bezahlbare Lebensmittel ist ein deutlicher Befund der Studie. 65 Prozent erwarten, dass Klimawandel und Krisen Lebensmittel knapper und teurer machen sowie Lieferengpässe begünstigen. 55 Prozent rechnen damit, dass Menschen ihr Essverhalten an Klimafolgen und die Verfügbarkeit von Lebensmitteln anpassen müssen. Das Szenario „Klimarealismus“ halten 71 Prozent für das wahrscheinlichste der fünf Zukunftsbilder.

Das bedeutet nicht, dass die Verbraucher nur Verzicht erwarten. Jeweils 43 Prozent können sich vorstellen, bei knapper werdenden klassischen Rohstoffen auf alternative Produkte zurückzugreifen oder Lebensmittel aus neuen Rohstoffen wie Algen und fermentierten Proteinen zu nutzen. Zugleich nennen 68 Prozent eine klare Bedingung: Nachhaltigere Angebote müssen bezahlbar, verfügbar und attraktiv sein, um sich durchzusetzen.

Infografik zur Versorgungssicherheit mit Umfragewerten zu alternativen Rohstoffen, nachhaltiger Ernährung und Landwirtschaft, daneben Hände mit Sojabohnen.Quelle: Nestlé Deutschland

Für Hersteller wird es wichtiger, Lieferketten abzusichern und die Rohstoffversorgung an veränderte Bedingungen anzupassen. Wie stark Rohstoffpreise schwanken können, zeigte sich zuletzt bei Kaffee und Kakao. Chancen sehen die Befragten vor allem in der Landwirtschaft: 71 Prozent erkennen Möglichkeiten für neue, nachhaltigere Wege.

Nestlé zählt Resilienz und Versorgungssicherheit zu den drei Handlungsfeldern, die das Unternehmen aus der Studie ableitet. Weltweit stammen nach Unternehmensangaben bereits 20,7 Prozent seiner zentralen Rohstoffe von Betrieben, die regenerative Praktiken anwenden.

Gesundheitsvorsorge soll in den Alltag passen

 Die zweite große Linie der Studie betrifft die Gesundheit. 67 Prozent sagen schon heute: „Ich sollte mich gesünder ernähren.“ Der Blick richtet sich dabei zunehmend auf die persönliche Vorsorge. 68 Prozent erwarten, dass mentale Gesundheit weiter an Bedeutung gewinnt. 44 Prozent glauben, dass viele Menschen ihre Ernährung 2040 gezielt auf körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ausrichten werden.

Das Zukunftsbild „Preventive Health“ empfinden 78 Prozent als fortschrittlich. 37 Prozent sehen personalisierte Ernährung als wichtiges Instrument für den Erhalt der eigenen Gesundheit. Rund ein Drittel kann sich vorstellen, künftig Gesundheitsstationen im Handel für Vorsorgechecks zu nutzen. 54 Prozent rechnen damit, dass künftig mehr Menschen Spritzen oder Tabletten zur Gewichtsregulation nutzen.

Infografik „Neue Gesundheitsservices im Alltag“: 42 Prozent würden Gesundheitsdaten mit KI auswerten, 34 Prozent Vorsorge im Handel nutzen.Quelle: Nestlé Deutschland

Die Kehrseite: Der Anspruch muss in den Alltag passen. 40 Prozent geben an, dass ihnen häufig die Zeit fehlt, sich so zu ernähren, wie sie es gerne möchten.

Nestlé leitet daraus ein weiteres Handlungsfeld ab: Gesundheit und Prävention sollen alltagstauglich werden. Das Unternehmen setzt nach eigenen Angaben auf weiterentwickelte Rezepturen und verständliche Orientierung, etwa durch Portionshinweise und zusätzliche Nährwertinformationen. Gesündere Ernährung soll so für unterschiedliche Zielgruppen verfügbar und attraktiv sein.

KI findet Zustimmung, solange sie nicht bevormundet

Beim dritten Treiber, der Künstlichen Intelligenz, fällt das Bild gemischt aus. 46 Prozent befürworten KI als persönlichen Ernährungsberater. 42 Prozent würden sie künftig nutzen, um Gesundheitsdaten auszuwerten und Empfehlungen zu erhalten. Nach Angaben von Nestlé verwenden 34 Prozent KI bereits heute bei Kaufentscheidungen.

Neben dieser Offenheit stehen deutliche Vorbehalte. 40 Prozent befürchten Fremdbestimmung durch KI. 43 Prozent lehnen humanoide Roboter ab, die zu Hause selbstständig kochen. 38 Prozent möchten keine implantierten Sensoren, die dauerhaft Körperdaten erfassen. Laut Nestlé macht 76 Prozent der Befragten eine Zukunft Angst, in der KI die Ernährung eigenständig steuert.

Weißer humanoider Roboter vor einem digitalen Küchenplaner, daneben Umfragewerte zu Kochrobotern und implantierten Sensoren.Quelle: Nestlé Deutschland

Deutlich wird auch ein Generationenunterschied. Einen KI-Agenten, der selbstständig einkauft, können sich 33 Prozent der Jüngeren vorstellen, bei den Älteren sind es 17 Prozent. Wenn Kaufentscheidungen zunehmend von digitalen Assistenten vorbereitet werden, wird die Qualität digital verfügbarer Produktinformationen für Hersteller wichtiger. Nestlé nennt die verlässliche Wiedergabe von Informationen zu Marken, Produkten und Rezepten durch KI-Systeme ausdrücklich als drittes Handlungsfeld.

Bei aller Veränderung bleibt Essen ein gemeinsames Erlebnis

So offen die Befragten für Neues sind, an einem Punkt lassen sie nicht mit sich handeln. 92 Prozent bezeichnen Essen als wichtige Quelle von Genuss. 81 Prozent sagen, Essen sei am schönsten mit anderen. 78 Prozent sind überzeugt, dass Essen auch in Zukunft gut schmecken muss.

Das spiegelt sich in der Bewertung der Szenarien. „Genuss & Gemeinschaft“ erhält mit 69 Prozent die größte Zustimmung aller fünf Zukunftsbilder, 66 Prozent freuen sich auf eine solche Zukunft. Die Technik ist dort Helfer, die Entscheidung trifft der Mensch.

Der Ernährungspsychologe PD Dr. Thomas Ellrott sieht darin mehr als eine Frage des Geschmacks. „In Zeiten zunehmender globaler Krisen wird gesellschaftlicher Zusammenhalt immer wichtiger“, sagt er. Gemeinsame Mahlzeiten seien „ein wichtiges soziales Lagerfeuer, nach dem sich viele sehnen“.

Was die Ergebnisse für Hersteller bedeuten

Lebensmittelhersteller müssen mit schwankenden Rohstoffbedingungen umgehen und auf neue Wünsche bei Ernährung und Gesundheit reagieren. Hinzu kommt, dass ihre Produkte auch in digitalen Einkaufswegen verständlich beschrieben sein sollten. Welche Angebote sich durchsetzen, lässt sich aus der Befragung nicht ableiten. Die Ergebnisse zeigen aber, woran Verbraucher sie messen dürften: an Preis, Alltagstauglichkeit und Geschmack.

„Die Studienergebnisse machen deutlich: Ernährung wird künftig vielfältiger, komplexer und stärker zur Frage von Orientierung, Vertrauen und Eigenverantwortung“, sagt Daniela Wippler, Head of Consumer and Marketplace Insights & Analytics bei Nestlé Deutschland.

Alexander von Maillot, Vorstandsvorsitzender von Nestlé Deutschland, formuliert daraus den Anspruch des Unternehmens: „Neue Lösungen müssen sich daran messen lassen, ob sie Geschmack, Lebensqualität und Gemeinschaft erhalten und gleichzeitig auf veränderte Realitäten und Bedürfnisse einzahlen. Die Weichen für 2040 stellen wir heute.“

Ob neue Angebote überzeugen, entscheiden die Menschen im Alltag und am Esstisch.

>> Zur Zukunftsstudie „Wie is(s)t Deutschland 2040?“

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