161 Liter pro Kopf: So trinken die Deutschen ihren Kaffee

Kaffee ist das mit Abstand beliebteste Getränk der Deutschen, noch vor Flaschenwasser und Tee. Eine aktuelle Befragung zeigt, wann und wie wir den schwarzen Muntermacher trinken, was uns beim Kauf wichtig ist und wo unsere Treue an ihre Grenzen stößt.

Frau trinkt eine Tasse Cappuccino mit Herz-Latte-ArtQuelle: franz12 / AdobeStock

Drei Tassen am Tag, eine feste Uhrzeit am Morgen und vorsorglich zwei bis drei Packungen auf Vorrat: So lässt sich das Verhältnis der Deutschen zu ihrem liebsten Getränk knapp zusammenfassen. Nach Zahlen des Deutschen Kaffeeverbands lag der Pro-Kopf-Konsum 2025 bei 161 Litern.  „Kaffee ist und bleibt eines der Lieblingsgetränke der Deutschen“, sagt Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbands. Der hohe Konsum belege die tiefe Verwurzelung von Kaffee in der Alltagskultur.

Ein genaueres Bild liefert die repräsentative Befragung von 1.500 Kaffeetrinkerinnen und Kaffeetrinkern, die Anfang 2026 im Rahmen des Tchibo-Kaffeereports erhoben wurde. Demnach trinken 58 Prozent der Befragten täglich Kaffee, im Schnitt gut drei Tassen. Am häufigsten greifen die 56- bis 65-Jährigen zur Tasse, am seltensten die unter 22-Jährigen.

Infografik: Durchschnittliche Tassen Kaffee pro Tag, 25 Prozent trinken drei TassenQuelle: Tchibo Kaffeereport 2026

Ein fester Bestandteil des Alltags

Für die meisten ist die erste Tasse mehr als Koffeinzufuhr. Sie markiert laut der Befragung für viele den Start in den Tag, für andere einen Moment der Ruhe vor dem Trubel. Auch am Arbeitsplatz hat sich Kaffee als soziales Ritual etabliert. Einer Erhebung des Karriereportals kununu zufolge trinkt die große Mehrheit der Beschäftigten mehrmals täglich Kaffee im Büro, viele empfinden das gemeinsame Kaffeetrinken als wichtigen Teil der Unternehmenskultur.

Zubereitet wird dabei überwiegend klassisch: Filterkaffee bleibt laut Tchibo-Kaffeereport die beliebteste Variante, knapp vor Caffè Crema und Cappuccino. Der Report verweist zudem auf einen allgemeinen Trend weg vom gemahlenen Pfund hin zur ganzen Bohne für Kaffeevollautomaten.

Preibisch erwartet für die kommenden Jahre eine Stabilisierung des Konsums auf dem aktuell hohen Niveau, sieht aber eine qualitative Verschiebung. Der Konsum verlagere sich zunehmend auf Spezialitäten, auch die bewusste Zubereitung zu Hause mit Siebträger oder Vollautomat nehme zu. Sein Fazit: „Die Deutschen trinken vielleicht nicht zwingend mehr Tassen am Tag, aber sie trinken bewusster und hochwertiger.“

Infografik: Beliebteste Kaffeearten der Deutschen, Filterkaffee 47 Prozent, Caffè Crema 38 Prozent, Cappuccino 34 ProzentQuelle: Tchibo Kaffeereport 2026

Der Preis rückt in den Fokus

Die Befragung zeigt auch, wie stark der Markt unter Kostendruck steht. Ein gutes Drittel der Befragten spürt die Preissteigerungen der vergangenen Zeit deutlich, für manche ist Kaffee inzwischen zu einem Luxusgut geworden. Dennoch bleibt die Mehrheit dem Getränk treu, selbst wenn es teurer wird als gewünscht. Wer ausweichen müsste, würde am ehesten zu Tee greifen.

Beim Einkauf zählt für die Mehrheit vor allem der Geschmack, erst danach der Preis. Kriterien wie fairer Handel oder Bio-Zertifizierung spielen dagegen nur für eine Minderheit eine Rolle. Diese Zahlen stammen aus einer separaten Erhebung von Statista unter Internetnutzern. Das Muster ist aber dasselbe: Geschmack und Preis wiegen schwerer als Herkunft oder Siegel.

Verantwortung wird an die Unternehmen delegiert

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Nachhaltigkeit. Die meisten Befragten sehen die Verantwortung dafür, dass Kaffee nachhaltig produziert wird, klar bei den Unternehmen, kaum jemand bei sich selbst als Konsument. Gleichzeitig geben viele an, dass der Preis oder fehlendes Vertrauen in Siegel sie vom Kauf nachhaltigen Kaffees abhalten. Über die Nachhaltigkeitsbemühungen der Kaffeeunternehmen fühlt sich dabei nur eine Minderheit wirklich gut informiert.

Der Deutsche Kaffeeverband erklärt diese Wissenslücke auch mit der Komplexität der Lieferkette. Weltweit wird Kaffee von rund 12,5 Millionen, meist kleinen Farmen angebaut, der Weg von der Kirsche bis in die deutsche Tasse umfasst viele Verarbeitungsschritte. Die Branche habe in den vergangenen Jahren aber „mit Hochdruck“ an einer lückenlosen Rückverfolgbarkeit gearbeitet, sodass die Lieferkette für Kaffeehändler und -röster heute weitgehend transparent sei, so Preibisch.

Er ergänzt: „Gleichzeitig wünschen wir uns, dass Konsumenten beim Kauf aktiv noch mehr auf Herkunft und Qualität und nachweislicher Nachhaltigkeit im Kaffeeanbau achten – und damit die Nachfrage nach diesen Produkten noch weiter steigt.“

Deutschland als Drehscheibe

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und eigenem Handeln hat auch eine wirtschaftliche Dimension. Deutschland importierte 2025 rund 1,12 Millionen Tonnen Rohkaffee und ist damit nach den USA der zweitgrößte Kaffeeimporteur der Welt, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen.

Gleichzeitig exportiert Deutschland selbst wieder rund 321.000 Tonnen Rohkaffee (2024), wie Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zeigen. Wir veredeln hierzulande also einen erheblichen Teil des importierten Rohkaffees und verkaufen ihn weiter.

Mehr als die Hälfte davon stammt aus nur zwei Ländern: Brasilien liefert vor allem Arabica-Bohnen, Vietnam Robusta. Das ist keine Überraschung, denn beide Länder sind die weltweit größten Kaffeeproduzenten.

Ein akutes Risiko für die Versorgungssicherheit sieht Preibisch in dieser Konzentration dennoch nicht: Die deutsche Kaffeewirtschaft importiere Rohkaffee aus rund 70 Ländern, und die Röster könnten Rezepturen und Blends flexibel anpassen, um bei Ernteausfällen in einzelnen Regionen Geschmack und Lieferfähigkeit konstant zu halten. Die Konzentration auf wenige große Anbauländer zeige aber, wie wichtig es sei, die Kaffeeproduktion auch in kleineren Ursprungsländern zu fördern und widerstandsfähiger zu machen.

Der Klimawandel als langfristiges Risiko

Kaffee wird laut dem Kaffeereport in mehr als 45 Ländern der Welt angebaut und ist die Lebensgrundlage für 12,5 Millionen Farmer weltweit, so eine Zusammenstellung, die sich unter anderem auf Daten des Deutschen Kaffeeverbands stützt.

Hände halten frisch geerntete rote Kaffeekirschen über einem ErntekorbQuelle: Pixeltheater / AdobeStock

Wie stabil die weltweite Versorgung mit Kaffee bleibt, hängt zunehmend vom Klima in den Anbauregionen ab. Weltweit wird laut Deutschem Kaffeeverband rund siebzig Prozent des angebauten Rohkaffees exportiert, der Rest verbleibt in den Erzeugerländern selbst. Gerade die Arabica-Pflanze reagiere sehr empfindlich auf Temperatur und Niederschlag, erklärt Preibisch. Der Verband beobachtet bereits heute Verschiebungen im Mikroklima der Anbauregionen, anhaltende Dürren, Starkregen und eine leichtere Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten wie dem Kaffeerost.

Die Branche nehme das „sehr ernst“, so Preibisch: „Es fließen massive Investitionen in die Erforschung und Züchtung klimaresilienterer Kaffeesorten, in die Umstellung auf Agroforstsysteme und in Schulungsprogramme für Farmer vor Ort.“

Dass sich diese Investitionen auszahlen können, legt eine 2025 im Fachjournal Frontiers in Climate veröffentlichte Meta-Analyse von 68 Studien nahe: Wo Kaffee unter Schattenbäumen statt in offener Fläche angebaut wird, sinken demnach die Ertragsverluste um 31 Prozent, der Schädlings- und Krankheitsbefall um 24 Prozent und die Qualitätsverluste um 19 Prozent.

Fazit: Stabiler Konsum, wachsende Herausforderungen

Der deutsche Kaffeemarkt zeigt sich damit stabil, solange es um das tägliche Ritual geht, und zunehmend preissensibel, sobald Nachhaltigkeit ins Spiel kommt. Verbraucher wollen, dass ihr Kaffeekauf etwas Positives bewirkt, sehen die Verantwortung dafür aber vor allem bei den Unternehmen, nicht bei sich selbst.

Der Deutsche Kaffeeverband blickt entsprechend zweigeteilt auf die kommenden Jahre: Beim Konsum erwartet er Stabilität auf hohem Niveau, bei der Qualität weiteres Wachstum. Gleichzeitig benennt er offen die größeren Baustellen: den Klimawandel in den Anbauländern und die komplexe Lieferkette. Beides lasse sich nur mit mehr Diversifizierung, mehr Investitionen und einem informierteren Verbraucher lösen.

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