Zehn Tage. Ein Stand. Eine Frage: Wie schmeckt Zukunft?

Zehn Tage lang wurde die Grüne Woche 2026 zum internationalen Treffpunkt der Ernährungswirtschaft. Am Stand „Zukunft schmeckt“ präsentierten führende Unternehmen der Branche, wie sie produzieren, investieren und Zukunft aktiv gestalten. Bundeskanzler Friedrich Merz und viele weitere politische Entscheidungsträger nutzten die Gelegenheit zum direkten Austausch.

Grüne Woche 2026 auf dem Stand "Zukunft schmeckt"Quelle: BVE / Tobias Rücker

Bei seinem Besuch an unserem Stand zeigte sich Bundeskanzler Merz beeindruckt. Mit bunten Containern veranschaulichte BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff die Dimension der deutschen Lebensmittelindustrie. Jeder Container symbolisiert eine Million Tonnen Lebensmittel und Getränke. Zusammen zeigen sie die 124 Millionen Tonnen, die Deutschlands Ernährungsindustrie jährlich produziert. 44 Millionen Tonnen davon gehen in den Export. BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff nutzte den Moment für eine klare Botschaft: Diesen Wirtschaftsmotor, den drittgrößten Industriezweig des Landes nach Umsatz, gilt es zu stärken, nicht durch Bürokratie und weitere Belastungen auszubremsen.

Der Ton war bereits bei der Eröffnungspressekonferenz gesetzt worden. „100 Jahre Grüne Woche zeigen, dass alle Krisen einen Ausweg finden“, so Minhoff. Er betonte, dass die Ernährungswirtschaft trotz globaler Unsicherheiten auf Wachstumskurs bleibt, international wettbewerbsfähig ist und Verantwortung für die Versorgungssicherheit trägt. Zugleich begrüßte er den wieder erstarkten Dialog zwischen Politik und Wirtschaft.

Politik, Wirtschaft und Besucher im Dialog

Vom 16. bis 25. Januar verwandelte sich der gemeinsame Stand von Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und Lebensmittelverband Deutschland unter dem Motto „Zukunft schmeckt“ in Halle 3.2 in einen lebendigen Treffpunkt der Branche. Hier wurde gekocht, probiert und diskutiert. Es wurde sichtbar, welche Themen die Branche derzeit bewegen und wie eng wirtschaftliche Stabilität, politische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Erwartungen zusammenhängen.

Das Programm umfasste Kochshows mit den Teams von Daniel Schade und Sebastian Morgenstern sowie Talks und Diskussionsformate, die von Kai Völker und Sonja Meise moderiert wurden. Es ging unter anderem um nachhaltige Landwirtschaft, die Herkunft von Rohstoffen, Markenwandel, die Herausforderungen der Arbeitswelt und Innovation. Ergänzt wurde das Programm durch Beiträge von Verbänden sowie ein Start-up-Wochenende mit jungen Unternehmen aus der Lebensmittelwirtschaft. Als Partner vor Ort waren zudem McDonald’s Deutschland und die Zur Mühlen Gruppe präsent und brachten sich mit ihrer Expertise in den Austausch am Stand ein.

Die politische Resonanz war außergewöhnlich hoch. Insgesamt waren über 100 politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger zu Gast am Stand, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz, Außenminister Johann Wadephul, Bundesminister Alois Rainer sowie seine Staatssekretärinnen Martina Engelhardt-Kopf und Silvia Breher und Staatssekretär Prof. Dr. Markus Schick, die EU-Kommissare Christophe Hansen und Oliver Várhelyi, Abgeordnete des Bundestages, Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sowie mehrere Landesministerinnen und -minister wie Cornelia Schmachtenberg, Hanka Mittelstädt, Colette Boos-John und Peter Hauk. Der Stand entwickelte sich damit zu einem festen Gesprächsort für Fragen der Wettbewerbsfähigkeit, des Exports, des Bürokratieabbaus, der Arbeitskräftegewinnung und der Versorgungssicherheit.

📸 Unser Stand auf der IGW 2026 in Bildern:

Grüne Woche 2026 auf dem Stand "Zukunft schmeckt"
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Krisenvorsorge als politisches Signal

Bereits am ersten Messetag wurde deutlich, dass Ernährung längst auch ein sicherheitspolitisches Thema ist. An unserem Stand diskutierten Alois Rainer, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und Messechef Mario Tobias über Notfallversorgung. Aus Ein-Personen-Paketen mit rund 2.600 Kilokalorien bereiteten die Köche Mousse au Chocolat, Currywurst und Erbseneintopf.

Rainer würdigte den Ansatz ausdrücklich. „Großes Kompliment und herzlichen Dank, dass Sie das Thema Notfallversorgung auf der Grünen Woche aufgreifen. Als ich im Sommer drüber gesprochen habe, wurde ich ein Stück weit belächelt. Aber es ist ein Thema.“ In Zeiten multipler Krisen wird Resilienz zur strategischen Notwendigkeit. Der Minister kündigte an, die Ernährungsnotfallreserve aus den 1960er Jahren weiterzuentwickeln. BVE und Lebensmittelverband werden das Thema am 24. März auf dem Forum „Crisis-proof“ vertiefen.

Nachhaltigkeit fängt vor dem Produkt an

Nach dem politischen Auftakt rückten die Unternehmen in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit Nestlé ging es um die Frage, wie Rohstoffe künftig gesichert werden können, ohne Böden, Biodiversität und Betriebe zu überfordern. Diskutiert wurden langfristige Partnerschaften mit Landwirtinnen und Landwirten, Bodenschutz und die Abhängigkeit globaler Lieferketten von stabilen regionalen Strukturen.

Sehr konkret wurde das Thema Herkunft bei McDonald’s Deutschland. Die immer wieder gestellte Frage nach dem Rindfleisch wurde offen beantwortet: 100 Prozent stammen aus Deutschland. Dahinter steht das Best-Beef-Programm mit klaren Standards und langfristigen Lieferbeziehungen. Deutlich wurde dabei, dass auch in der Systemgastronomie Qualität und Verantwortung keine Gegensätze sein müssen.

Grüne Woche 2026 auf dem Stand "Zukunft schmeckt"Quelle: BVE / Tobias Rücker

Ähnlich offen präsentierte sich das Fisch-Informationszentrum. Sternekoch Kenneth Gjerrud begeisterte mit authentischem Smørrebrød, Skrei und Matjes. Julia Steinberg-Böthing gab Einblicke in den deutschen Fischmarkt. Zahlen, Herkunft und Siegel wurden hier bewusst mit Genuss verknüpft.

Marken im Wandel

Genuss, Markenverantwortung und moderne Arbeitswelten standen im Fokus bei Mondelēz International. Das Unternehmen verwandelte den Stand in eine Snacking-Erlebniswelt. Die Besucher ließen sich mit der Milka-Kuh ablichten, dekorierten am Schokobrunnen Oreos und kosteten sich durch prämierte Cheesecake-Kreationen. Ergänzt wurde das Erlebnis durch Einblicke in Produktion, Unternehmenskultur und nachhaltige Rohstoffbeschaffung. Als besonderes Highlight wurden 100 exklusive Milka-Jubiläumstafeln an Messechef Lars Jäger überreicht. Zwei Traditionsmarken feiern gemeinsam.

Grüne Woche 2026 auf dem Stand "Zukunft schmeckt"Quelle: BVE / Tobias Rücker

Auch The Coca-Cola Company nutzte den Stand, um den Wandel des eigenen Portfolios zu zeigen. Zero-Produkte sind längst Mainstream, das Portfolio reicht weit über klassische Cola hinaus, und Marken wie Mezzo Mix zeigen lokale Verwurzelung in globalen Strukturen. Nachhaltigkeit ist dabei kein Zusatz, sondern integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie – von der Verpackung bis zur Logistik.

Capri Sun gab einen Einblick in die Erfolgsgeschichte des Kultgetränks und zeigte, dass Innovation oft in den Details steckt. Im Mittelpunkt stand unter anderem die Verpackung, die rund 33 Prozent weniger CO₂ verursacht und etwa 80 Prozent weniger Plastik benötigt als eine vergleichbare PET-Flasche. Besucher konnten selbst erleben, wie wenig Material dafür nötig ist. Mit Capri-Sun Elektrolyte präsentierte das Unternehmen zudem eine neue Produktlinie, deren Marktstart kurz bevorsteht.

Sinnlichkeit und Arbeitsrealität

Ferrero nahm die Besucher mit auf eine Reise durch alle fünf Sinne. Beim sensorischen Parcours erlebten sie, wie stark Wahrnehmung und Genuss zusammenhängen. Die Stationen machten sichtbar, wie systematisch sensorische Entwicklung betrieben wird. Ein großes Verkosterpanel testet täglich Produkte in verschiedenen Stadien, um das Zusammenspiel aller Sinne gezielt zu steuern.

Grundsätzlicher wurde es beim Blick auf die Arbeitswelt. Im Talk machten Ralf Hengels, Präsident der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss e.V. (ANG), und Guido Zeitler, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), deutlich: Ohne Migration würde die Ernährungsindustrie nicht funktionieren. Jeder zweite Beschäftigte in der Branche hat einen Migrationshintergrund. Die Diskussion machte klar, dass Arbeitsmigration keine Randfrage, sondern Voraussetzung für Versorgungssicherheit ist.

Start-up-Wochenende

Am letzten Wochenende zeigten acht Start-ups, wie viel Innovationskraft in der Branche steckt. In Zusammenarbeit mit Crowdfoods präsentierten sie ihre Visionen und Produkte: tunesische Harissa (Harissa & Co), Bio-Functional-Drinks aus Molkerei-Nebenprodukten (Gläserne Molkerei), pflanzliche Drinks auf Pistazienbasis (Pinù Foods), Mehrwegsysteme (WECARRY), Protein-Snacks aus afrikanischen Kulturpflanzen (Tsarona), Lebensmittel auf Pilzbasis (Fungi Feeds), Lachs aus landbasierter Aquakultur (LandLachs) und Matcha-Granola (Berlin Oats).

Fazit: Ein gemeinsamer Auftrag

Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie und Lebensmittelverband Deutschland, zieht eine positive Bilanz: „Wir durften in diesem Jahr viele Politiker an unseren Stand begrüßen und über die zentrale Rolle informieren, die die Ernährungsindustrie für unser Land spielt. Als drittgrößter Industriezweig sichern wir die Versorgung von 84 Millionen Menschen in Deutschland und tragen zugleich zur Ernährung von Millionen weltweit bei – denn Food Made in Germany bleibt ein Exportschlager und steht für Qualität, Innovation und Vielfalt. Ich bin überzeugt, dass Politik und Wirtschaft den Standort Deutschland nur gemeinsam wieder stark machen können – wenn sie mehr miteinander reden und enger zusammenarbeiten, als es in der Vergangenheit der Fall war.“

Nach zehn intensiven Messetagen bleibt eine Erkenntnis: Zukunft schmeckt, wenn Unternehmen mutig vorangehen, wenn Politik verlässliche Rahmenbedingungen schafft und beide Seiten den Dialog suchen. Die 100. Grüne Woche setzte dafür ein starkes Signal.