Zuckersteuer und Plastiksteuer: Lebensmittelwirtschaft fordert Stopp und warnt vor neuer Kosten- und Bürokratiewelle

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Berlin, den 28.10.2026

die deutsche Ernährungswirtschaft ist enttäuscht über den Kurs der Bundesregierung. Statt Unternehmen zu entlasten, Bürokratie abzubauen und Investitionen am Standort Deutschland zu erleichtern, plant der Bund mit der Zuckersteuer und der Plastiksteuer zwei neue Steuern, die erhebliche zusätzliche Kosten und bürokratische Verpflichtungen mit sich bringen.

Die unterzeichnenden Verbände lehnen beide Steuervorhaben grundsätzlich ab! Besonders irritierend ist, dass das Bundesfinanzministerium die Vorhaben mit großer Eile vorantreibt, ohne die betroffene Wirtschaft angemessen einzubeziehen und die Auswirkungen auf den europäischen Binnenmarkt ausreichend zu berücksichtigen. Der in den Rechtstexten genannte Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft wie für die Verwaltung ist bei beiden Gesetzesvorhaben deutlich höher als angegeben.

Besonders deutlich wird das Problem bei der geplanten Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke: Mit einem Steuerlagerverfahren nach dem Vorbild der Biersteuer setzt das Bundesfinanzministerium auf ein ausgesprochen aufwändiges Erhebungsmodell. Statt bestehende betriebliche Prozesse zu nutzen und digitale, bürokratiearme Alternativen zu prüfen, sollen Unternehmen neue steuerliche Verwaltungsstrukturen schaffen und erhebliche Investitionen in die Anpassung ihrer Produktions- und Warenwirtschaftssysteme tätigen. Viele Produktionsstätten sind auf solche Verfahren nicht ausgelegt.

Hinzu kommen erhebliche praktische Schwierigkeiten: In der Lebensmittel- und Getränkewirtschaft werden Rohstoffe, Produktionsanlagen und Lagerkapazitäten häufig für steuerpflichtige und nicht steuerpflichtige Erzeugnisse gleichermaßen genutzt. Zusätzliche steuerliche Kontroll-, Dokumentations- und gegebenenfalls Freigabeverfahren drohen unmittelbar in eingespielte Produktionsabläufe einzugreifen. Sie erschweren die Produktionsplanung, verursachen zusätzliche Kosten und schränken die Flexibilität der Unternehmen ein.

Auch die geplante Plastiksteuer würde eine Branche zusätzlich belasten, die bereits heute umfangreiche und kostenintensive Verpflichtungen im Verpackungsbereich erfüllt. Das Verpackungsgesetz, die Beteiligung an dualen Systemen, die Einwegkunststofffondsabgabe und die neuen Anforderungen der europäischen Verpackungsverordnung stellen Unternehmen vor erhebliche finanzielle und organisatorische Herausforderungen. Eine weitere nationale Steuer würde diese Belastungen erhöhen, ohne dass damit ein zusätzlicher ökologischer Nutzen verbunden wäre. Zugleich drohen Wettbewerbsnachteile für den Produktionsstandort Deutschland.

Beide Vorhaben stehen damit in einem fundamentalen Widerspruch zu den erklärten Zielen der Bundesregierung. Wer Bürokratieabbau, Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen verspricht, darf nicht gleichzeitig neue Steuern mit komplexen Verwaltungsverfahren einführen. Gerade die überwiegend mittelständisch geprägte Ernährungswirtschaft braucht Planungssicherheit, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie statt mehr Regulierung.

Wir appellieren deshalb an Sie, sich dafür einzusetzen, beide Steuervorhaben zu stoppen und die betroffenen Wirtschaftszweige vor weiteren gesetzgeberischen Entscheidungen umfassend einzubeziehen. Unabhängig von unserer grundsätzlichen Ablehnung muss insbesondere auf das vorgesehene Steuerlagerverfahren bei der Zuckergetränkesteuer verzichtet werden. Für beide Vorhaben sind die wirtschaftlichen Folgen, die zusätzlichen Bürokratiekosten und die Auswirkungen auf den europäischen Binnenmarkt sorgfältig zu prüfen.

Die Verbände der Ernährungswirtschaft stehen bereit, ihre praktische Expertise in einen konstruktiven Dialog einzubringen. Voraussetzung dafür ist, dass die Bundesregierung die betroffenen Unternehmen nicht vor vollendete Tatsachen stellt, sondern ihre Erfahrungen und Vorschläge ernsthaft berücksichtigt.

Unterzeichner

Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss e. V.
Kim Cheng, Hauptgeschäftsführerin

Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rübenbauerverbände e. V. (ADR)
Bernhard Conzen, Vorsitzender

Bundesausschuss Obst und Gemüse (BOG)
Christian Ufen, Vorsitzender

Bundesverband der Deutschen Spirituosenindustrie und -importeure e. V.
Angelika Wiesgen-Pick, Geschäftsführerin

Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e. V.
Dr. Carsten Bernoth, Hauptgeschäftsführer

Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V.
Antonin Finkelnburg, Hauptgeschäftsführer

Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie e. V.
Christoph Freitag, Geschäftsführer

Bundesverband der Systemgastronomie e.V. (BdS)
Markus Suchert, Hauptgeschäftsführer

Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse e.V. (BVEO)
Dr. Christian Weseloh, Geschäftsführer

Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels e. V.
Dirk Reinsberg, Geschäftsführender Vorstand

Bundesverband Deutscher Wurst- & Schinkenproduzenten e. V.
Horst Koller, Geschäftsführer

Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e. V.
Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer

Der Backzutatenverband e. V.
Christof Crone, Geschäftsführer

Deutscher Bauernverband e. V.
Stefanie Sabet, Generalsekretärin

Deutscher Brauer-Bund e. V.
Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer

Deutscher Fleischer-Verband
Martin Fuchs, Hauptgeschäftsführer

Deutscher Hotellerie- und Gastronomieverband e.V.
Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin

Deutscher Kaffeeverband e.V.
Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer

Deutscher Konditorenbund
Gerhard Schenk, Hauptgeschäftsführer

Deutscher Raiffeisenverband e.V.
Jörg Migende, Präsident

Deutsches Tiefkühlinstitut e.V.
Dr. Sabine Eichner, Geschäftsführerin

Familienbetriebe Land und Forst e.V.
Leo von Stockhausen, Geschäftsführer

Kulinaria Deutschland e. V.
Dr. Markus Weck, Hauptgeschäftsführer

Lebensmittelverband Deutschland e. V.
Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer

Milchindustrie-Verband e. V.
Dr. Björn Börgermann, Hauptgeschäftsführer

OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e.V.
Dr. Momme Matthiesen, Geschäftsführer

Private Brauereien Deutschland
Roland Demleitner, Bundesgeschäftsführer

Private Mills Germany
Christof Engelke, Präsident

Süßstoff-Verband e. V.
Isabelle Begger, Vorstand

Verband Deutscher Mineralbrunnen e. V.
Jürgen Reichle, Geschäftsführer

Verband der Deutschen Fruchtsaftindustrie e. V.
Klaus Heitlinger, Geschäftsführer

Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels e. V.
Andreas Vogel, Vorstand

Verband Deutscher Großbäckereien e. V.
Tobias Schuhmacher, Hauptgeschäftsführer

Verband der Fleischwirtschaft e.V.
Steffen Reiter, Hauptgeschäftsführer

Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft e. V.
Dr. Peter Haarbeck, Hauptgeschäftsführer

Verein der Zuckerindustrie e. V.
Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer

Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke
Dr. Detlef Groß, Hauptgeschäftsführer

Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e. V.
Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer

Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e. V.
Dr. Friedemann Berg, Hauptgeschäftsführer

Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V.
Wolfgang Schleicher, Geschäftsführer

Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft e. V.
Dr. Bernd Nauen, Hauptgeschäftsführer

Zentralverband Gartenbau e. V. (ZVG)
Bertram Fleischer, Generalsekretär

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