Produkte mit pflanzlichen Proteinen haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Im deutschen Einzelhandel lag der Umsatz 2024 bei rund 1,68 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Absatzmenge um 7,1 Prozent. Damit ist Deutschland einer der größten Märkte Europas und weist den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch pflanzenbasierter Produkte auf. Vor diesem Hintergrund rückt nun auch das Eiweiß aus heimischem Raps stärker in den Fokus.
Ein schonendes Verfahren bringt den Durchbruch
Der Schlüssel zur Nutzung liegt in einem neuen Verfahren. In Leuna wird Raps seit zwei Jahren in einer Pilotanlage nach dem sogenannten EthaNa-Verfahren verarbeitet. Dabei werden geschälte Kerne bei maximal 70 Grad Celsius und Normaldruck mit Ethanol behandelt. Die Proteine bleiben dadurch intakt. Das Ergebnis ist ein Konzentrat mit mehr als 50 Prozent Eiweiß und sehr wenig Restöl. Bitterstoffe und Fasern, die Geschmack und Verträglichkeit beeinträchtigen könnten, werden zudem vorab entfernt. Gleichzeitig entsteht ein hochwertiges Rapsöl, das sofort genutzt werden kann.
Erste Tests: Burger und Pasta mit Rapsprotein
In einem EU-geförderten Projekt wurde das neue Protein bereits in der Praxis erprobt. Dabei kam das Rapskonzentrat in Burger-Patties, Pasta und Fleischersatzprodukten zum Einsatz. Die Ergebnisse waren positiv. Die Burger hatten eine stabile Konsistenz und ein gutes Mundgefühl, die Pasta ließ sich gut verarbeiten. Fachliche Analysen bescheinigen dem Eiweiß zudem eine günstige Zusammensetzung der Aminosäuren. Sie sind vergleichbar mit Soja, teils sogar besser.
Futtermittel mit Potenzial
Auch als Futtermittel bietet Rapsprotein neue Perspektiven. In Fütterungsversuchen an der Universität Hohenheim legten Küken, die mit Rapsprotein gefüttert wurden, innerhalb von drei Wochen von 43 auf 1000 Gramm Gewicht zu. Die Verdaulichkeit war höher als bei herkömmlichem Rapsextraktionsschrot und erreichte sogar das Niveau von Soja. Mit der Zugabe des Enzyms Phytase konnte die Proteinaufnahme noch weiter verbessert werden. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, Sojaschrotimporte aus Übersee teilweise zu ersetzen.
Nutzung der ganzen Pflanze
Das Verfahren macht nicht nur die Proteine nutzbar. Neben dem Öl und dem Eiweiß lassen sich auch die Schalen und weitere Inhaltsstoffe verwerten, etwa für Dämmstoffe, Kosmetik oder Pflanzenschutzmittel. Auf diese Weise wird die gesamte Rapssaat genutzt, was die Wirtschaftlichkeit steigert und zugleich Abfälle reduziert.
Ein Rohstoff mit Zukunft
Ob als Burger-Patty, Pasta-Zutat oder Futtermittel: Rapsprotein könnte die Nutzung der Pflanze auf ein neues Niveau heben. Für die Ernährungsindustrie eröffnet sich damit eine zusätzliche, regionale Eiweißquelle. Angesichts steigender Nachfrage nach Proteinen und wachsender Diskussionen über Versorgungssicherheit zeigt sich: Der heimische Raps ist nicht nur Ölfrucht, sondern entwickelt sich mehr und mehr zum vielseitigen Rohstoff der Zukunft.