Nach einem langen Arbeitstag noch einkaufen, schnippeln und kochen. Für viele Menschen gehört das längst nicht mehr jeden Abend zum festen Programm. Der Wunsch nach praktischen Lösungen ist spürbar und er zeigt sich auch in der Entwicklung der Lebensmittelproduktion. In Deutschland werden heute deutlich mehr Fertiggerichte hergestellt als noch vor wenigen Jahren. Das Statistische Bundesamt spricht von einem klaren Aufwärtstrend, der sich inzwischen verfestigt hat.
2024 wurden hierzulande 1,7 Millionen Tonnen Fertiggerichte im Wert von 5,9 Milliarden Euro produziert. Fünf Jahre zuvor waren es noch 1,4 Millionen Tonnen bei einem Produktionswert von 4,1 Milliarden Euro. Das entspricht einem mengenmäßigen Plus von 25,6 Prozent und einem nominalen Wertzuwachs von 45,4 Prozent.
Auch der Blick auf das laufende Jahrzehnt zeigt nach vorn. In den ersten drei Quartalen 2025 erreichte die Produktion bereits einen Wert von 4,5 Milliarden Euro. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres bedeutet das ein Plus von 2,8 Prozent. Für 2026 zeichnen sich damit stabile Wachstumsbedingungen für die Branche ab.
Nudelgerichte führen das Wachstum an
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei Nudelgerichten. Hier verzeichnet die Industrie den größten Zuwachs. Die Produktionsmenge wuchs von 2019 bis 2024 um mehr als 56 Prozent auf 539.000 Tonnen. Auch Fleischgerichte entwickeln sich stark. Die produzierte Menge legte um 43,2 Prozent zu und erreichte 316.000 Tonnen. Gemüsegerichte wuchsen moderater. 2024 wurden 197.000 Tonnen hergestellt, rund sieben Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Der Produktionswert stieg hier um 54,3 Prozent. Lediglich bei Fischgerichten ging die Menge leicht zurück, von 24.000 auf 22.000 Tonnen. Der Produktionswert legte dennoch zu und erreichte 208 Millionen Euro.

Kochen bleibt Teil des Alltags
Trotz des wachsenden Angebots bleibt eines konstant. Die Menschen in Deutschland verbringen nicht weniger Zeit in der Küche. „Auch wenn das Angebot an Fertiggerichten zugenommen hat, verbringen Menschen in Deutschland nicht weniger Zeit mit der Essenszubereitung als früher“, teilt das Statistische Bundesamt mit. Laut Zeitverwendungserhebung 2022 wenden Menschen ab zehn Jahren im Schnitt 41 Minuten täglich für die Zubereitung von Mahlzeiten und die damit verbundene Küchenarbeit auf. Zehn Jahre zuvor waren es 40 Minuten.
Deutlich bleibt der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Frauen und Mädchen investieren im Schnitt 53 Minuten pro Tag in Kochen, Backen und Aufräumen, Männer und Jungen 29 Minuten. Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit 2012, dass sich diese Lücke schrittweise schließt. Damals lagen die Werte noch bei 55 Minuten für Frauen und 24 Minuten für Männer.
Ein Spiegel moderner Lebensstile
Die Zahlen machen deutlich, dass Fertiggerichte heute mehr sind als eine schnelle Lösung für zwischendurch. Sie spiegeln veränderte Arbeitszeiten, flexible Lebensmodelle und den Wunsch nach planbaren Mahlzeiten wider. Wer wenig Zeit hat, möchte trotzdem gut versorgt sein. Wer Abwechslung sucht, findet ein immer breiteres Angebot.
Die deutsche Ernährungsindustrie begleitet diesen Wandel mit Innovationskraft und Verantwortung. Neue Rezepturen, differenzierte Produktlinien und stetige Qualitätsentwicklung prägen den Markt. Wie sich Fertiggerichte in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil unseres Alltags entwickelt haben, beleuchten wir auch in unserem Beitrag „Schnell, einfach, lecker – so prägen Fertiggerichte unseren Alltag“.
Die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts zeigen: Fertiggerichte sind kein kurzfristiger Trend, sondern Ausdruck eines nachhaltigen Wandels in der deutschen Esskultur.

