Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten hat durch die Kostensteigerungen bei Gas und Öl auch Auswirkungen auf die Produktion von Lebensmitteln und Getränken in Deutschland. Die deutsche Ernährungsindustrie ist als drittgrößter deutscher Industriezweig auch ein bedeutender Erdgasverbraucher, der jährlich rund 38 Terrawattstunden (TWh) für thermische Prozesse benötigt. Viele Produktionsprozesse wie Trocknen, Backen oder Pasteurisieren sind technisch nach wie vor auf Erdgas angewiesen, da ein Wechsel auf andere Energieträger mit erheblichen, planungsintensiven Investitionen verbunden ist.
In Folge des Iran-Krieges ist der Gaspreis an der oft als Referenz genutzten niederländischen Börse TTF am Dienstag auf bis zu 58 Euro pro Megawattstunde gestiegen – am Freitag lag der Preis noch bei unter 32 Euro. Entsprechende Entwicklungen sind auch beim Ölpreis zu verzeichnen. Steigende Ölpreise, die zu einem Anstieg der Diesel- und Kraftstoffpreise führen, verteuern insbesondere die Logistik. Für die Ernährungsindustrie sind diese Entwicklungen und die damit verbundenen Kostenbelastungen fatal.
Wenn der Konflikt länger anhält, ist zu befürchten, dass es in einem erheblichen Umfang zur Drosselung der Produktion oder gar zur Aufgabe ganzer Geschäftszweige kommt. Dies hatte sich auch im Jahr 2022 anlässlich des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gezeigt.
„Wer den drohenden Kostentsunami für die Lebensmittelbranche stoppen will, um den Verbraucher nicht zusätzlich zu belasten, muss jetzt konsequent handeln“, sagt der Hauptgeschäftsführer von Lebensmittelverbrand und BVE, Christoph Minhoff, und fordert als Sofortmaßnahmen: „Weg mit Maut und Netzentgelten für die Lebensmittelbranche, keine weiteren Belastungen durch Steuern, Abgaben und bürokratische Dokumentationspflichten. Die Zeit des Abwartens und Bedenkens muss vorbei sein!“
Mit Blick auf die mögliche Dauer des Konflikts muss man davon ausgehen, dass Exporte und Importe in und aus dem Nahen Osten eingeschränkt werden. Deutschland exportiert jährlich Lebensmittel und Getränke im Wert von rund einer Milliarde Euro in die vom Krieg betroffenen Länder.
Die Sperrung von Transportwegen sowie ein erschwerter Zugang zum Roten Meer und zum Suezkanal werden zu Behinderungen in der Außenwirtschaft, zu Kostensteigerungen in der Seefracht und zu Störungen der internationalen Lieferketten führen. Längere, sicherere Transportrouten, das Fehlen von Frachtkapazitäten sowie von Häfen als Umschlagplatz für Waren wird Frachtpläne durcheinanderbringen und zu „verstopften“ Ausweichhäfen und Schifffahrtswegen sowie zu einer Reduzierung der zur Verfügung stehenden Containerkapazitäten führen. All dies hat gestiegene Fracht- und Logistikkosten zur Folge.
Forderungen an die Politik
Die Lebensmittelindustrie benötigt verlässliche und bezahlbare Energiepreise, um auskömmlich und sicher produzieren zu können. Die gegenwärtigen staatlichen Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise, wie beispielsweise Reduktion der Stromsteuer, Begrenzung der Netzentgelte, Industriestrompreis, werden durch die aktuellen Preisentwicklungen konterkariert.
Die BVE fordert daher:
- Reaktivierung der Gaspreisbremse von 2023. Damals wurde für Haushalte und kleine Unternehmen der Gaspreis auf 12 Cent pro kWh (Brutto) für ein Basis-Kontingent von 80% des Vorjahresverbrauchs gesenkt.
- Netzentgelte für alle Betriebe senken und bei Überkapazitäten bei regenerativen Energien kostenlose Stromabgabe an unsere Unternehmen.
- LKW-Maut für Lebensmitteltransporte aussetzen!
- Keine zusätzlichen bürokratischen Hemmnisse bei Lieferketten!
- Keine Lenkungssteuern, die Lebensmittel und Getränke zusätzlich teurer machen, wie die Zuckersteuer.
Mit der Krisenresilienz in Zeiten globaler Krisen befasst sich auch das What The Food Forum „Crisis-Proof“ von BVE und Lebensmittelverband am 24. März 2026 im Fotografiska Berlin, siehe https://www.ernaehrungsindustrie.de/what-the-food-forum-crisis-proof/

