Die Umsetzung der EU-Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“ (EmpCo-RL) stellt die Ernährungsindustrie vor erhebliche Herausforderungen. Das zeigt eine Blitzumfrage der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) unter mehr als 130 Unternehmen.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass die EmpCo-RL die Branche derzeit stark verunsichert. 58 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass sie ihre Verpackungen noch nicht abschließend anpassen können, da zentrale rechtliche Fragen, insbesondere zu Umwelt Claims in Bezug auf privatwirtschaftliche Nachhaltigkeitssiegel, weiterhin ungeklärt sind.
Hinzu kommen strukturelle Grenzen in Produktion und Logistik. Verpackungsmaterialien werden häufig langfristig geplant und beschafft. In vielen Bereichen liegen die Vorlaufzeiten bei 12 bis 24 Monaten. Insgesamt können so sehr lange Zeiträume zwischen Bestellung, Verwendung und Abverkauf entstehen. Die Umsetzung der EmpCo-RL in nationales Recht wurde erst im Frühjahr 2026 abgeschlossen. Die nationalen Regelungen treten am 27. September 2026 in Kraft.
Vor diesem Hintergrund erwarten 35 Prozent der Unternehmen, dass ohne verlängerte Übergangs- oder Abverkaufsfristen erhebliche Mengen an Verpackungsmaterialien und/oder Produkten aus dem Markt genommen und vernichtet werden müssten. Auch von der EU-Kommission vorgeschlagene Umsetzungsmaßnahmen, wie Überklebungen oder nachträgliche Umetikettierungen, werden von der großen Mehrheit der Befragten als nicht umsetzbar oder wirtschaftlich unverhältnismäßig bewertet.
Gleichzeitig befürchtet ein Großteil der Unternehmen, dass die nationalen Umsetzungsvorschriften von den Absatzpartnern in der Lieferkette strenger ausgelegt werden als gesetzlich vorgesehen. Dies betrifft insbesondere das Einfordern vorgezogener Fristen oder die Anpassung als rechtskonform erachteter Umwelt-Claims. Zudem befürchtet jedes zweite Unternehmen, dass seitens der Handelspartner eine „Rückholpflicht“ von Waren, deren Verpackungen vor dem Stichtag noch nicht angepasst waren, einfordert wird.
Die Ergebnisse zeigen insgesamt, dass die Unternehmen nicht nur vor operativen Herausforderungen stehen, sondern auch vor erheblichen rechtlichen und wirtschaftlichen Risiken.
„Die EmpCo-Richtlinie bedarf der zielführenden Umsetzung. Unklare rechtliche Vorgaben treffen auf nicht umsetzbare Fristen in der Praxis. Das erhöht den Druck auf die Unternehmen erheblich und birgt die Gefahr von Fehlentwicklungen wie die Vernichtungen von einwandfreien Produkten und Verpackungsmaterialien, die weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll sind“, sagt Marcel Winter, Leiter des Brüsseler Büros der BVE.
Über die Umfrage
An der Blitzumfrage der BVE nahmen mehr als 130 Unternehmen der Ernährungsindustrie aus allen Teilbranchen und Größenklassen teil.

