Politik, Wirtschaft und Großhandel im direkten Austausch: Das war das Ziel unseres Fachgesprächs am 26. Januar im Deutschen Bundestag. Unternehmens- und Verbandsvertreter aus dem BVE-Arbeitskreis Food-Service und dem Großhandelsverband FoodService trafen auf Mitglieder des Bundestagsausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Im Fokus standen die aktuellen Herausforderungen des Sektors und die Frage, wie alle Beteiligten gemeinsam Lösungen entwickeln können.
„Der Termin im Bundestag hat gezeigt, wie wichtig der direkte Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Praxis für die Weiterentwicklung des Food-Service-Sektors ist“, sagt BVE-Geschäftsführer Olivier Kölsch. „Wir brauchen politische Rahmenbedingungen, die die Realität unserer Branche abbilden und gleichzeitig Raum für Innovationen lassen.“
Die Kernanliegen der Branche
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Food-Service-Unternehmen. Wir machten deutlich, welche Faktoren die Branche derzeit belasten: gestiegene Energiekosten, höhere Mindestlöhne, volatile Rohstoffpreise und zunehmende Berichtspflichten. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen verdichten sich diese Belastungen zunehmend zu einem strukturellen Risiko.
Quelle: BVEEin weiterer Schwerpunkt war die Diskussion um politische Produktregulierungen. Unsere Position: Forderungen nach Reformulierungen oder Produktabgaben gefährden die Vielfalt im Markt. Rezepturen sollten in der Verantwortung der Hersteller bleiben, während ernährungspolitische Strategien praxisnah und umsetzbar gestaltet werden müssen.
Diskutiert wurde auch die Rolle verarbeiteter Lebensmittel im Außer-Haus-Markt. Wir argumentierten, dass diese Produkte für die Versorgung in Kantinen, Mensen und Restaurants unverzichtbar sind. Unter den bestehenden personellen, zeitlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind Alternativen vielfach nicht realistisch.
Darüber hinaus forderten wir Technologieoffenheit, Bürokratieabbau und realistische Übergangsfristen bei neuen Regelungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu sichern. Gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten und internationaler Lieferketten braucht es verlässliche und praktikable Vorgaben.
Vom Großhandelsverband und den Bundestagsabgeordneten kamen weitere Themen auf die Agenda: das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz, die europäische Entwaldungsverordnung EUDR, Vorschriften zur Schädlingsbekämpfung sowie Ernährungsbildung und -sicherheit.
Ein offenes Gespräch
Positiv aufgenommen wurde der konstruktive Charakter des Austauschs. Beide Seiten nutzten das Format, um sich über politische Schwerpunkte der laufenden Legislaturperiode und wirtschaftliche Realitäten zu informieren. Der Dialog war geprägt von einem gemeinsamen Interesse, Regelungen praxistauglich auszugestalten.
Vom Plenarsaal in die Gastro-Szene
Am nächsten Tag ging es raus aus dem Bundestag, rein in die Berliner Food-Szene. Gemeinsam mit dem Gastro-Experten Andrew Fordyce von Food Trend Tours hatten wir eine Trendtour durch die Hauptstadt organisiert. Das Motto: „Willkommen im New York Deutschlands“ – eine Anspielung darauf, dass Berlin kulinarisch mittlerweile in ähnlichen Sphären spielt wie die US-Metropole.
Quelle: Andrew Fordyce, Food Trend ToursDie halbtägige Tour führte zu verschiedenen Food-Konzepten. Es gab Verkostungen und Einblicke in aktuelle Entwicklungen. Thematisch ging es um internationale Food-Trends, das boomende Segment Frühstück und Brunch sowie neue Ansätze in der Mittagsversorgung.
Berlin bot sich dafür perfekt an. Die Stadt hat eine lebendige Gastro-Szene, ein internationales Publikum und die nötige Experimentierfreude. Hier lassen sich Entwicklungen früh beobachten, die später den breiteren Markt prägen.
Fortsetzung in Hamburg
Beide Veranstaltungen waren gut besucht. Der Zuspruch zeigte, wie groß der Bedarf an politischem Dialog und praxisnaher Einordnung in der Branche ist. Die Mischung aus Fachgespräch im Bundestag und praktischer Anschauung vor Ort kam gut an.
Die nächste Gelegenheit zur Vernetzung gibt es auf der INTERNORGA in Hamburg beim BVE Food Service Netzwerkfrühstück.
