Raps wird zur Proteinquelle für Burger und Pasta

Raps gilt seit Jahrzehnten als wichtigste Ölfrucht in Deutschland. Das goldgelbe Blütenmeer im Frühjahr steht für heimische Landwirtschaft und Speiseöl, das längst fester Bestandteil in den Küchen ist. Doch die Pflanze kann mehr. Forscher des Fraunhofer-Zentrums für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP) in Leuna haben ein Verfahren entwickelt, das Raps zu einer hochwertigen Proteinquelle macht – geeignet für Burger-Patties, Pasta und sogar für die Geflügelmast.

Forscher begutachten blühendes Rapsfeld – Nahaufnahme einer Hand, die eine Rapsblüte hält.Quelle: Konstantin Zibert / Adobe Stock

Produkte mit pflanzlichen Proteinen haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Im deutschen Einzelhandel lag der Umsatz 2024 bei rund 1,68 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Absatzmenge um 7,1 Prozent. Damit ist Deutschland einer der größten Märkte Europas und weist den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch pflanzenbasierter Produkte auf. Vor diesem Hintergrund rückt nun auch das Eiweiß aus heimischem Raps stärker in den Fokus.

Ein schonendes Verfahren bringt den Durchbruch

Der Schlüssel zur Nutzung liegt in einem neuen Verfahren. In Leuna wird Raps seit zwei Jahren in einer Pilotanlage nach dem sogenannten EthaNa-Verfahren verarbeitet. Dabei werden geschälte Kerne bei maximal 70 Grad Celsius und Normaldruck mit Ethanol behandelt. Die Proteine bleiben dadurch intakt. Das Ergebnis ist ein Konzentrat mit mehr als 50 Prozent Eiweiß und sehr wenig Restöl. Bitterstoffe und Fasern, die Geschmack und Verträglichkeit beeinträchtigen könnten, werden zudem vorab entfernt. Gleichzeitig entsteht ein hochwertiges Rapsöl, das sofort genutzt werden kann.

An der Filterpresse wird das Rapskernkonzentrat entölt.Quelle: Fraunhofer CBP
An der Filterpresse wird das Rapskernkonzentrat entölt.

Erste Tests: Burger und Pasta mit Rapsprotein

In einem EU-geförderten Projekt wurde das neue Protein bereits in der Praxis erprobt. Dabei kam das Rapskonzentrat in Burger-Patties, Pasta und Fleischersatzprodukten zum Einsatz. Die Ergebnisse waren positiv. Die Burger hatten eine stabile Konsistenz und ein gutes Mundgefühl, die Pasta ließ sich gut verarbeiten. Fachliche Analysen bescheinigen dem Eiweiß zudem eine günstige Zusammensetzung der Aminosäuren. Sie sind vergleichbar mit Soja, teils sogar besser.

Lebensmittel aus Rapsprotein: vegane Burger-Patties, Pasta, Nuggets und Granulat aus Rapskernkonzentrat.Quelle: Flowfood
Rapskernkonzentrat bildet stabile Emulsionen mit anderen Zutaten und lässt sich hervorragend zu Burger-Patties, Hackfleisch- und Fischstäbchenersatzprodukten sowie Pasta verarbeiten.

Futtermittel mit Potenzial

Auch als Futtermittel bietet Rapsprotein neue Perspektiven. In Fütterungsversuchen an der Universität Hohenheim legten Küken, die mit Rapsprotein gefüttert wurden, innerhalb von drei Wochen von 43 auf 1000 Gramm Gewicht zu. Die Verdaulichkeit war höher als bei herkömmlichem Rapsextraktionsschrot und erreichte sogar das Niveau von Soja. Mit der Zugabe des Enzyms Phytase konnte die Proteinaufnahme noch weiter verbessert werden. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, Sojaschrotimporte aus Übersee teilweise zu ersetzen.

Nutzung der ganzen Pflanze

Das Verfahren macht nicht nur die Proteine nutzbar. Neben dem Öl und dem Eiweiß lassen sich auch die Schalen und weitere Inhaltsstoffe verwerten, etwa für Dämmstoffe, Kosmetik oder Pflanzenschutzmittel. Auf diese Weise wird die gesamte Rapssaat genutzt, was die Wirtschaftlichkeit steigert und zugleich Abfälle reduziert.

Ein Rohstoff mit Zukunft

Ob als Burger-Patty, Pasta-Zutat oder Futtermittel: Rapsprotein könnte die Nutzung der Pflanze auf ein neues Niveau heben. Für die Ernährungsindustrie eröffnet sich damit eine zusätzliche, regionale Eiweißquelle. Angesichts steigender Nachfrage nach Proteinen und wachsender Diskussionen über Versorgungssicherheit zeigt sich: Der heimische Raps ist nicht nur Ölfrucht, sondern entwickelt sich mehr und mehr zum vielseitigen Rohstoff der Zukunft.